Konrad von Schlüsselberg
Konrad von Schlüsselberg mag zwischen 1273 und 1275 als Sohn Eberhards Vl. zur Weit gekommen sein.
Unklar ist, wo er seine Kindertage verbrachte, ebenso wie seine Jugendzeit im Dunkeln liegt.
Der Aufenthalt seines Großvaters Ulrich zu Wien mag diesen veranlaßt haben, seinen Enkel Konrad
als Pagen am Königshof einzuführen. Hier hätte der junge Schlüsselberger die beste
Erziehung mit anderen Knaben des hohen Adels erhalten können.
In Wien lebte auch der Sohn Herzog Ludwigs des Strengen von Oberbaiern, Ludwig, der spätere Kaiser Ludwig IV..
Dieser war etwa gleichaltrig mit Konrad. Möglicherweise entwickelte sich zu Wien zwischen den beiden jene
Freundschaft, die das ganze Leben dauern sollte, auch dann noch als Ludwig König und Kaiser wurde.
Als Bischof Arnold von Bamberg der Landgräfin Jeuta von Leuchtenberg und ihrem Sohn Ulrich
am 11. September 1295 zu Memmelsdorf die Veste Steinamwasser und den Zoll zu Auerbach verpfändete,
bürgten ihre Vettern Gottfried II. und Konrad 1. von Schlüsselberg. Als Nacherben wurden ihr Bruder
Eberhard Vl. und dessen Sohn Konrad II. eingesetzt. Sie erscheinen als
"Eberhardus (VI.) de Sluszelberg et Chunradus (11.), filius ipsius." Doch stand er fast noch ein
Jahrzehnt lang im Schatten seines Vaters und seines Onkels Gottfried 1. Aus dem Zeitraum von 1302 bis 1342
sind 31 von ihm ausgestellte Urkunden erhalten geblieben. Leider hängt heute nur mehr an einem dieser
Pergamentbriefe, dem vom 26. Juli 1330, Konrads Siegel.
Durch einen glücklichen Fund ist ein Petschaftfragment mit dem Wappen Konrads überliefert.
Reiche Stiftungen an elf Klöstern sprechen von seiner Frömmigkeit. Mit besonderen Schenkungen bedachte er
natürlich Kloster Schlüsselau, "nostrum ac nostrorum progenitorum plantata", seiner und seiner
Vorfahren Stiftung . Weiter beschenkte er die Konvente von Heilsbronn, Langheim, Speinshart, Ebrach, Michelsberg,
Bronnbach sowie die Stifte St. Gangolf, St. Stephan und St. Theodor in Bamberg und schließlich das
Katharinenspital in Forchheim.
Als Bischof Wulfing auf der Flur von Hahnbach die Baiernherzöge Rudolf 1. und Ludwig IV. mit den Hochstiftsvogteien
im Nordgau belehnte, war der"nobilis vir conradus de Sluzzelberch" erster Lalenzeuge.
Seit 1255 war Baiern in zwei Herzogtümer geteilt. Vor seinem Tod hatte Herzog Otto III. von Niederbaiern seinen
Vetter Ludwig IV. von Oberbaiern zum Vormund für seinen jungen Sohn und seine unmündigen Neffen bestimmt.
Das lag jedoch weder im Sinne von Ludwigs Bruder, Herzog Rudolf 1., noch in der Absicht Herzog Friedrichs des
Schönen von Österreich. Die Streitigkeiten führten zu militärischen Auseinandersetzungen.
Am 9. November 1313 erfocht Herzog Ludwig bei Gammelsdorf einen glänzenden Reitersieg über die
Österreicher. An dem glücklichen Ausgang des Treffens waren Konrad 11. von Schlüsselberg und seine
Dienstmannen hervorragend beteiligt.
Der Sieg machte den Wittelsbacher im ganzen Reich berühmt. Daher erhoben ihn bei der nach dem Tode Kaiser
Heinrichs VII. anstehenden Königswahl am 20. Oktober 1314 die Kurfürsten von Mainz, Trier, Böhmen,
Brandenburg und Sachsen-Lauenburg vor den Toren Frankfurts zum König.
In Sachsenhausen am anderen Mainufer wählte dagegen die habsburgische Partei mit den Stimmen von Baiern,
Köln, SachsenWittenberg und Kämten, Herzog Friedrich den Schönen von Österreich zum König.
Am 25 November kam es zu einer Doppelkrönung: Erzbischof Peter von Mainz krönte Ludwig zu Aachen,
während Erzbischof Heinrich von Köln, Friedrich zu Bonn zum König.
Zusätzliche Spannung gewann diese Situation dadurch, daß Ludwig zwar am richtigen Ort, aber vom falschen
Bischof gekrönt worden war. Friedrichs Krönung dagegen fand am falschen Ort, jedoch mit dem richtigen
Erzbischof statt.
Bei den vorausgehenden schwierigen Wahlabsprachen war Konrad von Schlüsselberg für den Herzog bei
Verhandlungen in Salzbug, Amberg, Lorsch, Koblenz unterwegs und schließlich auch bei der Wahl vor Frankfurt
anwesend gewesen.
Die beiden Gegenkönige bekriegten sich acht Jahre lang. Der Schlüsselberger focht in allen Treffen,
1315 bei Speyer, Augsburg und Buchloe sowie 1316 bei Eßlingen "wie ein rechter pantherheld" auf der
Seite König Ludwigs. Die materiellen Verluste des Schlüsselbergers beliefen sich bis 1318 auf 5707 Pfund Heller.
ür diese Summe verpfändete ihm der König die Burg Thurndorf, den Markt Eschenbach und weitere
fünf Dörfer im Raum um Pegnitz. Bereits 1315 hatte er ihm Waischenfeld zur Stadt erhoben.
König Friedrich der Schöne glaubte 1322 die Entscheidung erzwingen zu können.
Mit einem Heer von österreichern, Steirern, Ungarn und Kumanen, mit zusammen 4000 bis 5000 gepanzerten Reitern
und etwa 6000 Armbrustschützen, stieß er am 28. September bei Mühldorf am Inn auf das Heer König
Ludwigs, bestehend aus Baiern und Böhmen. In der achtstündigen Schlacht führte Konrad von
Schlüsselberg die Reichssturmfahne. Die Entscheidung brachte schließlich ein überraschender Angriff des
Burggrafen Friedrichs IV. von Nürnberg mit 400 Reitern in die Flanke der Reihen König Friedrichs.
Die deshalb zurückweichenden Ungarn und Kumanen rissen dessen gesamtes Heer mit zur Flucht.
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Schlacht bei Mühldorf
Aus einer Handschrift 1334
Kampfszene aus der Schlacht bei Mühldorf 1322.
Deutlich zu erkennen ist der Träger des Reichsbanners (schwarzer Adler auf gelbem Grund), Konrad II.
Vor ihm im Bild reitet mit der Krone auf dem Helm Ludwig der Baier.
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Als Lehen für den Träger der Reichssturmfahne erhielt Konrad bereits am 3. Oktoberzu Regensburg die Stadt
Markgröningen in Württemberg. Hier erbaute er, um seiner Herrschaft Gewicht zu verleihen, am Ostufer der Enz
die Burg Schlüsselberg. Doch brachte dieser Besitz mehr Verdruß als Gewinn. Um Streitigkeiten mit Graf
Ulrich III. von Württemberg zu vermeiden, überließ er diesem 1336 Markgröningen für
6000 Pfund Heller. Außerdem heiratete er in zweiter Ehe dessen Nichte, die Witwe des Grafen Ulrich IX. von
Helfenstein. Ferner ehelichte Agnes' Sohn aus erster Ehe, Graf Ulrich Xl. von Helfenstein Konrads Tochter Beatrix.
Der Wittelsbacher zeigte sich immer wieder für die Dienste seines treuen Lehnsmannes erkenntlich.
1323 erhob der König das schlüsselbergische Dorf Ebermannstadt zur Stadt.1336 erhielt Konrad für das
Dorf Thüngfeld Stadtrechte, das nun den Namen Schlüsselfeld erhielt -ein kleinerTrost für das verlorene
Markgröningen. Immerhin hatte der Schlüsselberger in seinem Territorium drei Städte, in denen er Juden
Schutz gewährte, auf deren finanzielle Unterstützung er bald zurückgreifen sollte.
König Ludwig IV. war nach seiner Aussöhnung mit König Friedrich 1327 nach Rom gezogen, wohin ihm Konrad
von Schlüsselberg folgte. Dort wurde Ludwig der Baier am 17. Januar 1328 zum Kaise ' r gekrönt.
In zwölf Urkunden, die der Kaiser zwischen Februar und Mal im Lateranpalast und im Petersdom ausstellte, war
Konrad neben Reichsfürsten Zeuge.
Da eine Reorganisation des Kirchenstaates mißlang und die guelfische Partei die Oberhand gewonnen hatte,
mußte der Kaiser vor einem drohenden Aufstand Anfang August nach Pavia zurückweichen. Für die Kosten
des Rückzuges streckte der Schlüsselberger dem Kaiser 6000 fl vor, die er sich vermutlich von seinen Juden
ausgeliehen hatte.
In Pavia schloß Ludwig 1329 mit den Erben seines verstorbenen Bruders Rudolf 1. jenen Hausvertrag, der Baiern
und Pfalz für 450 Jahre trennen sollte. Ende Juni zog Konrad - vom Kaiser als der"wirdig vnd edel
Conrad von Sluzzelberg, vnser über getrewer" bezeichnet - nach Deutschland zurück.
Der Verlust von Markgröningen und damit der Ehre eines Trägers der Reichssturmfahne führten zu einer
leichten Entfremdung zu Ludwig dem Baiern, der sich nun verstärkt seiner Hausmachtpolitik hingab.
Konrad mied fortan die Umgebung des Kaisers und konzentrierte seine Kräfte auf sein eigenes Territorium.
Es umfaßte sieben Centen oder Hochgerichtsbezirke: Schnaid, Senftenberg, Neideck, Waischenfeld, Thurndorf und
Eschenbach. Ferner hatte er drei Städte, 17 Burgen, Besitzanteile und Rechte an sieben weiteren Burgen, die
Klostervogtei von Schlüsselau sowie Besitzungen in 72 Orten inne. Dem Schlüsselberger dienten 25 niederadlige
Familien, an 39 Geschlechter waren schlüsselbergische Lehen vergeben.
Konrads langgestrecktes Territorium mit seinen Besitzgruppen und Grundherrschaften, das von Schlüsselfeld bis
Eschenbach in der Oberpfalz reichte, erregte naturgemäß wegen der ungeklärten Erbverhältnisse
das lnteresse seiner Nachbarn, der Bischöfe von Bamberg und Würzburg sowie der Burggrafen von Nürnberg.
Vor allem letztere erstrebten eine Landverbindung ihrer beiden Herrschaftskomplexe Cadolzburg/Ansbach und
Kulmbach/Bayreuth. Hauptziel war die Burg Streitberg, die den neuralgischen Punkt der begehrten Geleitstraße
von Baiersdorf nach Hollfeld beherrschte. Die Burggrafen und der Bischof von Bamberg hatten sich bereits mit
Öffnungs- und Gewartungsrechten auf den Aufseßer Burgen Freienfels, Aufseß und Wüstenstein in
Richtung Streitberg vorgetastet.
Um den Burggrafen Johann 11. und Albrecht den Schönen von Nürnberg in seinem Lager zu halten, hatte ihnen
der Kaiser 1343 alle Judenschulden entschädigungslos erlassen. Konrad, der aufgefordert wurde, dem kaiserlichen
Erlaß Nachdruck zu verleihen, verweigerte zum ersten Mal den Gehorsam. Er konnte eine Billigung dieses Betrugs
- auch wenn er vom Kaiser kam - mit seiner ritterlichen Ehre nicht vereinbaren. An dieser Haltung änderte auch
eine Achterklärung vom kaiserlichen Landgerichts Nürnberg nichts.
Weitere Unruhe brachten die Streitberger in die schon angespannte politische Lage. Wenn sie noch 1339 bei der
Lehnsauftragung ihrer freieigenen Teile an der Burg Greifenstein an Bamberg erklärten, daß daraus Konrad
kein Schaden erwachsen sollte, so war dieser Akt in Wirklichkeit nur gegen den Schlüsselberger gerichtet.
Doch gingen die Streitberger 1343 einen Schritt weiter, als sie Graf Heinrich von Henneberg den Teil der Burg
Streitberg zu Lehen auftrugen, der ehedem "dez von Slüßberg gewest ist".
Als Graf Heinrich dann noch fünf gewappnete Aufseßer als Lehnsleute einsetzte, mußte Konrad
einschreiten. Er ließ die Aufseßer vermutlich gar nicht in die Burg ein und vertrieb zudem Heinrich VIII.
und Hermann 1. von Streitberg.
Konrad von Schlüsselberg, der schon 1314 bei den Wahlverhandlungen sein diplomatisches Geschick bewiesen hatte,
setzte diesem Ring von Gegnern ein Bündnis mitden Reichsstädten Nürnberg, Rothenburg und Windsheim sowie
mit der bischöflichen Stadt Würzburg entgegen. Da schon Unruhen in Würzburg schwelten, konnte der Funke
auf der Burg Streitberg einen Brand auslösen, der ganz Franken zu erfassen drohte. Überraschend schnell
erschien deshalb der Kaiser in Würzburg und schloß am 19. Oktober 1344 einen Vertrag zwischen Bischof und
Stadt. Darin war auch ein Burgfrieden für Streitberg eingebunden, in dem die Rechte des Schlüsselbergers
weitgehend gesichert wurden. Noch einmal war der Friede gerettet.
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Rekonstruktion einer Pleyde
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Die Fronten standen längst fest, als die Gegner des Kaisers am 11. Juli 1346 Markgraf Karl von Mähren, den
Sohn König Johanns von Böhmen, zum König wählten. Während die Hohenloher Brüder Bischof
Albrecht II. von Würzburg und Bischof Friedrich I. von Bamberg sofort zu dem Luxemburger übertraten, hielten
sich die Burggrafen von Nürnberg noch zurück. Hätte Konrad von Schlüsselberg den neuen König
anerkannt, wäre wohl sein Territorium nie in Gefahr geraten. Doch für ihn standen die Begriffe Treue und
Freundschaft unverrückbar fest. Er wollte seinen Vorteil nicht durch leichtfertigen Parteiwechsel erkaufen.
Als jedoch der Anhang des Gegenkönigs wuchs, traten auch die Burggrafen Johann 11. und Albrecht von Nürnberg
im Sommer 1347 zu ihm über. Bot sich ihnen doch nun die einzigartige Gelegenheit, den wittelsbachischen
Parteigänger niederzuwerfen und sich den Übertritt ins luxemburgische Lager mit Gewinn zu erkaufen.
Sie zogen mit starken Kräften vor Burg Neideck und belagerten Konrad von Schlüsselberg, der bei der
Beschießung seiner Veste am 14. September 1347 von einem Pleydengeschoß tödlich getroffen wurde.
Konrad wurde in Schlüsselau, dem Hauskloster seines Geschlechts, beigesetzt. Seine Töchter fand man mit Geld
ab. Die Burg Streitberg jedoch und damit die Kontrolle über die wichtige Geleitstraße konnten die Burggrafen
nicht gewinnen. Konrads Anteil an Streitberg fiel an Bamberg. Erst 1508 gelang es Markgraf Friedrich von Brandenburg,
auf Streitberg Fuß zu fassen und das Geleit in seine Hand zu bringen. Damit ist die Behauptung vom Jahre 1408,
daß der Schlüsselberger"ein mawer bey Streytperg angehoben und eine rnawt domite angefangen....
vnd meint sich domite des geleits zu vnterwinden ... des die burggrauem im (=ihm) nicht gestaten wolten",
widerlegt. Konrad hatte bereits das Geleit; ein Mauerbau war nicht notwendig. Der Schlüsselberger war ein
Opfer der Hausmacht- und Erwerbspolitik seiner fürstlichen Nachbarn geworden. Kurz nach Konrads Tod, wurden seine
Reichspfandschaften an die Burggrafen von Nürnberg verliehen.
Der Sänger Lupold von Würzburg beginnt seine Ehrenrede mit den Worten:
Nu wil er uns hie sage
Gar ein derbermliche clage,
Wie der von Sluzzelberg den tot
Neme. Fur den bite wir Got!
Gustav Voit