Steckelburg


Gemeinde: Schlüchtern-Ramholz
Landkreis: Hanau
Grundriß in: C. Krollmann "Burg Steckelburg, Berlin 1901
Erbaut: um 1200




Steil führt der Wanderweg von der Burg hinab ins Tal der kleinen Sinn, um sich von dort aus wieder hinaufzuschlängeln zu waldigen Höhen. Es ist ein ständiges auf und ab mit laufend neuen Eindrücken. Der Wanderer hat viel Zeit, sich während der Wanderung Gedanken über das Thema Burgen zu machen, ehe er am Park des Schlosses Ramholz vorbeikommt und die steile Höhe erreicht, die zur Ruine der Burg Steckelberg führt.
Ein bequemes oder gar hygienisches Wohnen hatte man auf den mittelalterlichen Burgen nicht. Fängt man nur einmal bei der Küche an. An der Außenwand war ein sogenannter Ausgußstein angebracht, ein durch die Mauerdicke geführter Stein, in den eine Rinne gehauen war. Hier schüttete man sämtliche Küchenabfälle in den Burggraben hinunter. Aber auch andere Abfälle hatte der Burggraben aufzunehmen. An den Außenmauern waren meist mehrere Abtritterker angebracht, von denen aus man sein Geschäft< in den Graben hinunter machte.
Mag auch die Sage von den beiden Burgen Streitberg und Neideck in der fränkischen Schweiz makaber sein, daß ein Ritter den anderen mit Pfeil und Bogen auf dem Abortserker tödlich traf, solch hygienische Zustände wünscht sich wohl niemand zurück. Nur die Ordensschlösser der Deutschherren in Ostpreußen hatten eine reinlichere Einrichtung, die Danzke oder Danziger. Ihnen kam zugute, daß ihre Schlösser von meist fließendem Wasser umgeben waren. So bauten sie über das Wasser einen Danziger, der nichts anderes als ein Abtritturm war und die Exkremente konnten sich hiermit >heimlich< von der Burganlage entfernen.
In den Trockengräben unserer Höhenburgen befand sich kein fließendes Wasser, so mögen sich meist um eine mittelalterliche Burganlage herum Kloaken gebildet haben. Dazu kam noch, daß Mensch und Tier auf engstem Raum zusammengepfercht waren und es hiermit auch nicht an deren unangenehmen Gerüchen mange1te. Pfiff im Winter der kalte Wind um die Burgmauern, waren die Fenster mit Läden verrammelt und zusätzlich mit Lumpen verstopft, die Räume waren dürftig erleuchtet mit ewig rußenden Kienspänen. Meist war nur ein Raum beheizbar, in der Kemenate saß man, in Decken gehüllt und mit tropfender Nase vor dem offenen Kamin und der Wind drückte den Rauch in den Raum zurück, daß so mancher Ritter und seine Burgfrau den Geruch geräucherten Fleisches ausströmten. Der Fußboden bestand aus lose nebeneinander gelegten Balken, so daß laufend Staub von oben herab rieseln konnte, auch wenn man beim Essen saß. Selten befand sich im Inneren der Burg eine Quelle oder ein Brunnen, es herrschte stets Wassermangel, besonders, wenn es während einer Belagerung nicht von außerhalb herbeigebracht werden konnte. Die Belagerer kannten die Enge einer Burg von ihren eigenen Behausungen her und verstanden es, den Belagerten die Verteidigung ihrer Anlage so unangenehm wie nur möglich zu machen. Die Angreifer warteten nicht erst, bis sie von den Zinnen Steine, Geschosse, kochendes Wasser und siedendes Pech empfingen, sondern sie schlugen schon zuvor zu. Mit Wurfmaschinen schleuderten sie in das Innere der Burgen mit Nägeln beschlagene Balken, Leichname von Menschen und Vieh, selbst lebendige Gefangene und mit Kot gefüllte Fässer, die beim Aufschlagen zerplatzten.
Man berichtet, daß bei der Belagerung der Burg Karlstein durch die Stadt Prag im Jahre 1422 angeblich 1800 mit stinkendem Aas und Menschenkot gefüllte Fässer in die Burg geschleudert wurden. Die Belagerten suchten sich davor mit gelöschtem Kalk zu schützen. Die damaligen Zeitgenossen nahmen solche Übel mit Gelassenheit hin, weil sie es nicht anders kannten. Eine Klage über diese Zustände ist uns von der Steckelburg bekannt, ihr Chronist war Ulrich von Hutten.

Die Steckelburg - Der Stammsitz Ulrich von Huttens

So abseits der breiten Wege unsere Wanderstrecke auch heute zu liegen scheint, ist die Gegend doch ein altes Siedlungsgebiet. Nachdem Bonifatius im nahen Fulda ein Kloster gegründet hatte, drangen Mönche in die Wildnis ein und gründeten das Kloster Schlüchtern und zahlreiche Einsiedeleien, von denen heute noch die Ortsnamen Oberzell, Niederzell und Hohenzell zeugen. Fränkische Krieger gründeten zahlreiche Niederlassungen, die noch heute die Namen ihrer Gründer tragen. Ramholz war Eigentum eines Ramung, Vollmerz eines Volmuth, Sterbfritz eines Sterbfried und Gundhelm eines Gundhelm.
Später kamen die Burgengründungen kleiner Dynasten hinzu, wie Brandenstein und Steckelburg. Im Lauf der Zeit erfuhr die Gegend mit dem übrigen Frankenland das Schicksal der Zersplitterung unter geistlichen Herrschaften wie Fulda, Mainz und Würzburg und den kleinen Dynastengesch!echtern deren von Steckelberg, Brandenstein, Trimberg, Hanau, Rieneck, die sich allmählich zum reichsfreien Stand der fränkischen Ritterschaft ausbildeten.
Ein Hermann von Stechelnberg erscheint urkundlich erstmals im Jahre 1131. Die Urkunden erzählen viel von Streitigkeiten um Ländereien und Untertanen, denn die Einnahmen aus diesem kar en Boden waren gering und die Herren hatten gerade so wenig zum Beißen wie die Untertanen. Im Jahre 1276 erwirkte König Rudolf von Habsburg persönlich ein Urteil, daß die Steckelburg wegen der von dort aus betriebenen Räubereien niedergerissen und nie wieder aufgebaut werden sollte. Das Urteil wurde in feierlicher Reichsversammlung gesprochen und Reinhard von Hanau mit der Schleifung, das heißt der völligen Abtragung der Burg beauftragt. Die alten Steckelberger waren also schon Raubritter, als noch die anderen Geschlechter das ehrenvolle Ritterhandwerk betrieben. Dazu kamen laufend Streitereien mit der Geistlichkeit, besonders mit dem Kloster Schlüchtern, nach 1391 erlöschen alle Nachrichten über die Steckelberger.

Die Herren von Hutten

Das Geschlecht der von Hutten benannte sich nach einem Dorf, welches nordwestlich von Ramholz an der Huttener Höhe, einem Landrücken zwischen Rhön und Vogelsberg liegt. Sie traten meist in den Dienst der Abtei Fulda und wußten den Geldmangel der Äbte zu nutzen, indem sie ihren Landbesitz auf Kosten des geistlichen Gebietes vergrößerten. Da der Besitz einer Burg damals eine gesicherte Machtposition bedeutete, wollte einer der von Hutten den strategisch günstig gelegenen Steckelberg für den Bau einer Burg nutzen. Es stand ihm jedoch das Verbot des Königs im Wege, daß an diesem Ort niemals wieder eine Befestigung entstehen dürfe. Ulrich von Hutten umging listig diesen Befehl und erbaute die Burg an einer anderen Stelle, am steilen (steckel = steil), kegelförmigen Ausläufer des Berges, auf dessen höherem Abhang die alte stand. Heimlich, mitten im Winter l387/88 begann er den Bau, für die damalige Zeit ein völlig ungewöhnlicher Termin. Die Herren von Hanau, die darauf achteten, daß dieser mitten in ihrem Territorium gelegene Punkt unbefestigt blieb, wurden völlig überrascht. Hanau wollte nun die Fertigstellung mit Waffengewalt verhindern und bekam noch die Unterstützung der Stadt Frankfurt, jedoch im Mai 1388 schloß man mit dem neuen Burgherrn einen Waffenstillstand. UIrich von Hutten scheint ein guter Schachspieler gewesen zu sein und hatte sich bestimmt Rückendeckung bei den geistlichen Herren in Mainz und Würzburg geholt, die wiederum auch den Hanauern >eins auswischen< wollten. Man kann darauf zurückschließen, weil Ulrich noch im Juni dem Stift Mainz >das Schloß Stechelnberg öffnete, das ich kürzlich vor Datum dieses Briefes aufgeschlagen und bauen tat<. Kurz darauf läßt er sich auch noch von Würzburg belehnen, in dessen Oberhoheit das Gebiet um die Steckelburg lag. Hanau gab nun klein bei und Ulrich von Hutten versprach großzügig, daß Hanau von seiner Burg aus kein Schaden zugefügt werde. Ein Jahr darauf brachte er den Hanauern seinen ritterlichen Dank entgegen und kam ihnen in einer Fehde gegen die Stadt Frankfurt zur Hilfe.

Burg Steckelberg als Ganerbensitz

Daß in unserer Gegend wohlhabende Ritter eine Mangelware bildeten, haben wir schon in Erfahrung gebracht, aber sie wußten sich zu helfen. Um die hohen Unterhaltskosten einer Burganlage erträglich zu machen, bildeten sie eine Interessengemeinscha6, was man Ganerbenburg nannte.
Nicht nur mehrere Erben eines Geschlechtes, sondern auch benachbarte Adelige konnten den Burgraum untereinander aufteilen. 1407 zogen Vertreter dreier von Huttenscher Linien auf die Burg und schlossen gleich einen Vertrag, in welchem Anrechte und Pflichten der Parteien festgelegt wurden. Man nannte diese Abschlußart Burgfrieden, wie auch der befriedete Bezirk in und um eine Burg hieß, in welchem Friede und Sicherheit von der Herrschaft oder den Herrschaften garantiert und bei Bruch bestraft wurde. Sie setzten gemeinsam Pförtner, Wächter, Türmer und Turmwächter ein und erklärten außer der Burg auch die Besitztümer Ramholz und Vollmerz für unantastbar, falls zwischen ihnen ein Streit ausbrechen sollte.
1452 saßen die Herren Lorenz, Ludwig, Hans und Bartholomäus von Hutten und Karl von Thüngen auf der Burg. Sie wollten mit der Einrichtung ein Geschäft machen und noch weitere Ganerben aufnehmen bis schließlich die Anzahl 32 erreicht wäre. Dazu muß erwähnt werden, daß der Raum der Anlage sehr beschränkt und das Leben dort alles andere als bequem zu nennen war.
Sie fanden jedoch eine erquickliche Anzahl an "Aufnahmegebühren": das Einkaufsgeld betrug 100 Gulden und sollte für den Ausbau der Burg verwendet werden. Ferner sollten sämtliche 32 Ganerben für denselben Zweck jährlich fünf Gulden zahlen. Blieb einer diese Summe länger als ein halbes Jahr schuldig, sollte sein Anteil verkauft und der Erlös ebenfalls für Bauzwecke ausgegeben werden. Die heutigen Bausparverträge scheinen dagegen weitaus humaner zu sein. Ferner sollte jeder Ganerbe vier gute Handbüchsen, eine neue Armbrust, 500 Pfeile, 20 Pfund Pulver und 20 Pfund Blei besitzen. Diese Vorräte sollten halbjährlich überprüft werden, und zwar von auf zwei Jahre erwählten >Baumeistern<, die auch die eingehenden Gelder verwalten und die Bauarbeiten beaufsichtigen mußten. Zusätzlich hatten sie die Torwächter zu bestellen und zu besolden und dafür zu sorgen, daß stets ein größerer Vorrat an Wein oder Bier auf der Burg vorhanden war. Falls die Burg belagert würde, sollte jeder Ganerbe einen reisigen Knecht mit Harnisch und Armbrust schicken, sollte die Burg verloren gehen, mußte jeder zur Wiedereroberung beitragen. Wer dies nicht tue, mußte nach der Wiedereinnahme 50 Gulden bezahlen.
Dafür hatte jeder Ganerbe das Recht, von der Burg aus Fehden zu führen und dort Schutz zu suchen. Wenn einer von hohem Adel Schutz auf der Burg suchte, sollte er zum Bau der Burg 100 Gulden zahlen, eine Tonne Pulver, eine gute Taraßbüchse und vier Gewappnete, neben Speis und Trank, liefern. Einer von niederem Adel dagegen mußte nur den Burgfrieden schwören. Eine Stadt, die zugelassen wurde, hatte 300 Gulden zu zahlen und eine gute Steinbüchse von 30 Gulden Wert, sowie vier Armbrüste und zehn bewaffnete Schützen. Es fand sich eine zahlreiche Mannschaft an Ganerben, denn in dieser fehdereichen Zeit war diese abgelegene, schwer angreifbare und gut ausgerüstete Burg ein willkommener Schlupfwinkel.
Hanau und Würzburg hatten etwas gegen diese nicht gerade ungefährliche Einrichtung in ihrem Interessengebiet und erhoben Einspruch gegen diese Neuerung. Im Jahre 1458 zog der Würzburger Fürstbischof Johann mit einer bedeutenden Heeresmacht vor die Burg, ein Zeichen, daß er die Gemeinschaft ernst nahm, und eroberte die Befestigung nach zwölftägiger Belagerung. Der geistliche Herr vertrug sich jedoch bald wieder mit den Herren von Hutten und gab ihnen die Burg zuruck.
Die Einrichtung der Ganerbenschaft, die bei der Steckelburg in besonders ausgeprägter Weise auftritt, ist eigentlich ein Merkmal des Niedergangs der deutschen Ritterschaft. Die unzähligen Fehden während der Regierungszeit Kaiser Friedrichs III. waren die letzten Versuche des Rittertums, sich der immer mächtiger werdenden Territorialherrschaft der Fürsten und der Macht der Städte zu erwehren. Da die Entwertung des bestehenden Geldes ihre Einkünfte schmälerte, auch das gab es schon damals (!), taten sie sich eben zu Ganerbengemeinschaften zusammen. Sie unterhielten ihre Burgen in einer Form, wie heutzutage eine Aktiengesellschaft ein Industrieunternehmen. Daneben suchten sie einen anständigen Erwerb im Kriegs- und Hofdienst der Fürsten. Allmählich löste sich die Ganerbenschaft auf. Die anderen von Huttenschen Linien übertrugen ihre Rechte an Ulrich von Hutten, den Vater des Dichters.

Ulrich von Hutten - Ritter, Dichter und Humanist

Der Vater des Dichters führte ein ziemlich unruhiges Leben, welches ihn weit in der Welt herumführte. Er kämpfte im Heer des Kaisers Maximilian gegen die Türken, war in einer jahrelangen Fehde mit den Grafen von Hanau verstrickt und diente dem Fürstabt von Fulda und nahm Ysenburgische und Braunschweigische Dienste an, ferner kämpfte er auf der Seite Hessens in den pfälzisch-bayrischen Erbfolgekriegen. Der bis auf den heutigen Tag erhalten gebliebene Geschützturm der Steckelburg trägt seinen Namen und die Jahreszahl 1509.
Den Namen von Hutten machte sein Sohn Ulrich unsterblich, der am 21. Apri11488 auf dem Steckelberg geboren wurde. Seine Mutter war eine geborene Ottilie von Eberstein zum Brandenstein, von der nahegelegenen Burg gleichen Namens.

Der Vater sprach zu mir mit leisem Hohn,
»Verstehst du, bau mir eine Presse, Sohn!«
(Sie nennen Presse dort im Frankenland,
Was andern Ortes Kelter wird genannt.)
Sprachs und verritt. Ich ohne viel Geschrei
Berief die Meister schwarzer Kunst herbei.
Da ward gesetzt, gedruckt, gepreßt, gedreht,
Viel tausend Blätter flogen rings verweht.
Auf einem ward dem Cajetan gedroht:
»Schlagt, fromme Leute, den Legaten tot!«
Hier stand: »Und würd ich drüber Lands verjagt
Ich Hutten breche durch, ich habs gewagt!«
Und dort: »Die harsche Luft der Freiheit weht,
1ch Hutten sporn und stachle früh und spät.«
Das war ein heißer und ein zorn'ger Wein,
Den ich gepreßt am Steckelbergerrain.
Ans >Huttens letzte Tage< von Conrad Ferdinand Meyer

Den Elfjährigen gab der Vater in die Abtei Fulda, geistliche Würden und wohl auch geistliche Pfründen hatte er für seinen Sohn geplant. An der Klosterschule lernte der junge Ulrich den schwäbischen Ritter und Humanisten Eitelwolf von Stein kennen. Dieser stand in den Diensten des Erzbischofs und Kurfürsten von Brandenburg zu Mainz. Der Klosterschüler Ulrich erfuhr durch ihn viel Förderung. Er flieht 1505 aus dem Kloster, als er sein Mönchsgelübde ablegen sollte. Nun begann das unstete Leben eines fahrenden Scholaren. Er suchte die bedeutendsten humanistischen Lehrer auf, seine erste Station war Köln, danach Erfurt und schließlich Frankfurt an der Oder. Sein Weg mag ihn nach dort hin geführt haben, weil sein Freund Eitelwolf von Stein mit an der Gründung dieser neuen Universität beteiligt war. Kurz darauf tauchte er schon wieder in Leipzig auf und 1509 wanderte er die pommersche Ostseeküste entlang, mittellos und krank. Die Seuche der Zeit, die französische Krankheit, hatte ihn schon befallen, unter der er sein Leben lang zu leiden hatte und die ihn in grausam wiederkehrender Regelmäßigkeit verfolgte. An der Universität Greifswald wurde er von Professor Lötze aufgenommen. Jedoch die Freundschaft mit der Familie des Professors nahm bald ein Ende und er mußte mitten im Winter die Stadt verlassen. Unterwegs wurde er von den Dienern seiner früheren Freunde auch noch völlig ausgeplündert.
Auf dem Weg nach der Universität Rostock verfaßte er die erste seiner Kampfschriften, in der seine Gabe sichtbar wird, das eigene Schicksal zu großen Bildern auszuweiten, »Klagen wider die Lötze«.
1510 besuchte er die Universität Wittenberg und wanderte dann über Böhmen und Mähren nach Wien. Dort wurde er im Kreis der Freunde und Schüler des großen Humanisten Celtis aufgenommen. Es entstand ein Gedicht auf den Kaiser Maximilian, in welchem er diesen zum Krieg gegen die Venezianer ermahnte. Ein Jahr später war er schon wieder in Italien, und zwar in Pavia. Was er in seinem Gedicht an den Kaiser ausgesprochen hatte, war eingetreten, nun wurde Pavia vom Heer Maximilians belagert und er litt selbst unter den Wirren des Krieges und wurde zweimal ausgeplündert. In Bologna begann er mit dem Studium der Rechte, da er aber völlig mittellos war, mu8te er gezwungenermaßen in die Fußstapfen seines Vaters treten und sich zum Kriegsdienst im kaiserlichen Heer verpflichten. Und was tat Ulrich mitten im Lagertreiben? Er dichtete Epigramme auf den Kaiser Maximilian, reizende Schilderungen zus dem Kriegsleben, jedoch auch erste Anzeichen des politischen Kritikers waren zu erkennen. Sein großes Thema entstand: die Befreiung der deutschen Nation vom römischen Joch.

Sein unstetes Wanderleben dauerte an, 1514 begann die Freundschaft mit dem Vater des Humanismus, Erasmus von Rotterdam, die jedoch mit Feindschaft enden sollte. Auf Veranlassung seines Freundes Eitelwolff von Stein verfaßte er für den Mainzer Bischof ein »Bewillkommnungsgedicht« und erhielt tatsächlich dafür 200 Gulden und die Aussicht, am Hof zu Mainz in den Dienst genommen zu werden.
Im Frühjahr 1515 machte Ulrich von Hutten in Bad Ems eine Kur. Die dortigen warmen Quellen sollten ihn von seiner heimtückischen Krankheit befreien, brachten aber nur Linderung. Dort erfuhr er von einem schrecklichen Ereignis, welches seine Familie betroffen hatte.
Hans von Hutten, ein Vetter Ulrichs, stand in den Diensten des Herzogs Ulrich von Württemberg. Dieser verliebte sich in die schöne Gemahlin des fränkischen Ritters und ermordete ihn schließlich auf der Jagd. Diese Tat zog Händel nach sich, in die sich nicht nur die fränkische, sondern die gesamte deutsche Ritterschaft verstrickte. Das Verbrechen des Herzogs gegen einen Ritter wurde zum Anlaß des letzten Kampfes der gegen die Territorialherren immer machtloser werdenden Ritterschaft.
Ulrich sandte seine Dichtungen in die Lande: ein Trauergedicht für den ermordeten Vetter, ein Trostgedicht auf den alten Vater und fünf Anklagereden gegen den herzoglichen Mörder.
Nach zehnjähriger Abwesenheit wurde er nun auf der Burg seiner Väter gnädig aufgenommen, sozusagen eine Art Heimkehr des verlorenen Sohnes.
Hier schrieb er auch die erste Anklageschrift gegen den Herzog. Unter welchen Schwierigkeiten, schildert ein Brief von der Steckelburg
»Wie konnte ich etwas würdiges schreiben ohne Bücher, ohne Ruhe, ohne festen Aufenthalt. Bald hierhin, bald dorthin unterwegs, um für meinen Vater Schulden einzutreiben, so habe ich den größten Teil der Rede zu Pferde komponiert (!), manches im Walde, manches auf der bekannten Familienburg, die offenbar für Studienzwecke nichts weniger als geeignet ist.«

Eine drastische Schilderung des Lebens auf einer Ritterburg enthielt ein Brief an seinen Freund Pirckheimer, den Nürnberger Patrizier, Diplomaten und Humanisten, der auch mit Albrecht Dürer befreundet war:
»Kein Leben ist mühseliger und unruhiger als das auf unseren Burgen. Die Bauern, welche unsere Fluren bebauen, sind äußerst arm. Was wir von ihnen erhalten, ist sehr wenig. Wir müssen uns stets dem Schutz eines mächtigen Fürsten unterwerfen, und selbst dann stehen wir in Gefahr, wenn wir die Burg auf kurze Zeit verlassen, einem von denen zu begegnen, die mit unserem Schutzherren in Fehde leben. Wir dürfen uns nicht zwei Ackerlängen von unserer Burg entfernen, ohne vom Kopf bis zu den Füßen bewaffnet zu sein. So müssen wir das nächste Dorf besuchen, so auf die Jagd und zum Fischfang gehen. Kein Tag vergeht, ohne daß zwischen unseren Bauern und denen unserer Nachbarschaft Streitigkeiten entstehen. Da sollen wir schlichten. Geben wir zuviel nach, so schaden wir den Unsrigen, bestehen wir hartnäckig auf unserm Recht, ziehen wir uns Fehden zu.
Und dann die Burg selber: von engen Mauern umschlossen, eingeengt durch die Wälle und Waff'enschuppen, Pulverkammer und Geschützstände, voll Pech, Schwefel und anderem Kriegsapparat. Überall im Hause riecht's nach Pulver und Hunden samt ihren Exkrementen. Ein fortwährendes Kommen und Gehen von Bewaffneten, manchmal der zweifelhaftesten Sorte. Den ganzen Tag Lärm und Geschrei: Schafe blöken, Rinder brüllen, Hunde bellen, in den nahen Wäldern hört man nicht selten die Wölfe heulen ... « (!)
Wie eine kalte Dusche mag diese Schilderung auf den heutigen romantischen Burgfreund wirken, der in den Gemäuern einer alten Burg herumklettert und in eine Wohnung zurückkehren kann, die auch noch so einfach, für die damaligen Verhältnisse wie ein fürstliches Gemach erscheinen mag. –
So zog es Ulrich wieder hinaus in die Welt, nach Rom. Das dortige Treiben am päpstlichen Hofe forderte ihn zu den »Dunkelmännerbriefen« heraus. In Bologna studierte er die Rechte und die griechische Sprache, nach Abstechern nach Ferrara und Venedig kehrte er im Sommer 1517 wieder in die Heimat zurück. In Augsburg erreichte der mit Hutten befreundete Patrizier Konrad Peutinger, daß er vom Kaiser mit dem Dichterlorbeer gekrönt wurde. Dadurch fand er diesmal auf der heimatlichen Burg eine freundlichere Aufnahme. Auf dem Steckelberg schrieb er seine Polemiken wider das Papsttum. Hier verfaßte er auch seine »Türkenrede«:
»Kraft haben wir Deutsche im Überfluß, aber die Möglichkeit zum Einsatz fehlt. So bleibt unsere Tapferkeit stets leer, unsere Kraft stets nutzlos, und unsere Nachbarn lassen uns wohl für gute Haudegen, aber nicht für tüchtige Krieger gelten. Und das ist nicht der Soldaten, sondern vornehmlich der Führer Schuld. Es lebt in Deutschland eine starke Jugend, große, nach wahrem Ruhm begierige Herzen, aber der Leiter, der Führer fehlt. So stirbt jene Kraft, der Mut wird schlaff, und der glühende Tatendurst verkommt im Dunkeln.«

Noch im gleichen Jahr wurde er in die Dienste des Mainzer Erzbischofs gestellt, mit einer Mission an den französischen Königshof betraut und dort. ehrenvoll aufgenommen.
1519 starb der Kaiser Maximilian, die lang ersehnte Stunde der Rache an dem Herzog Ulrich von Württemberg hatte geschlagen. U!rich von Hutten zog gemeinschaftlich mit dem schwäbischen Bund und den Herzögen von Bayern in Württemberg ein. Mit seinem Freund Franz von Sickingen teilte er das Zelt. Nach seiner Rückkehr aus dem Feldzug versprach ihm der Mainzer Fürst, seiner Muse fern vom Hofe nachgehen zu können, unter Weiterzahlung des Gehaltes.
Seine weiteren Veröffentlichungen erfolgten von der Steckelburg aus. Auch seine erste in deutscher Sprache, die Übersetzung des lateinischen Dialogs »Febris«. Der Urdruck der Schriften gegen den Herzog von Württemberg enthält auf der Schlußseite den Vermerk, »gedruckt auf der Burg Stekkelberg im Jahre 1519«. Jedoch ist nicht anzunehmen, daß auf der räumlich so begrenzten Burg eine Druckerpresse stand. Die Schrift wurde tatsächlich in Mainz gedruckt, nur um den Verleger vor der Rache des Herzogs zu sichern, wurde dieser Vermerk so augenfällig angebracht.
Seine Kampfschriften gegen Rom wurden immer schärfer. Die kräftigste und nachhaltigste, »Vadiscus« oder »Gesprächbüchlein Ulrichs von Hutten gekröneten Poeten und Orator von dem verkehrten Stand der Stadt Rom«:
»Wie mögen nun Christus und Belial übereinkommen? Aber die närrischen Leute wollen nicht erkennen, daß, wenn der Romanisten Regiment gerecht wäre, die Reichen, die sind die Kinder der Welt, viel eher möchten selig werden als die Bedürftigen, die sich Gott erwählt haben. Denn die Reichen mögen mehr geben, mehr Ablaß kaufen, mannigfaltigere Geschäfte handeln. Aber die Meinung Christi ist ganz anders gewesen. Er hat die Armen selig gerufen, ihnen sei das Reich des Himmels.«

Rom begann nun kräftig gegen ihn loszuschlagen und er traf erstmals auch mit Martin Luther zusammen. Die Verbreitung seines »Vadiscus« ließ Rom beim Mainzer Bischof intervenieren und verlangte die Auslieferung des Ketzers. Kein Wunder, wenn man in Rom diese Gedanken lesen mußte: »Drei Dinge erhalten Rom bei seinen Würden: das Ansehen des Papstes, die Gebeine der Heiligen und der Ablaßkram – Drei Dinge sind ohne Zahl in Rom: Huren, Pfaffen und Schreiber – Drei Dinge sind in Rom verbannt – Einfalt, Mäßigkeit und Frömmigkeit – Von drei Dingen hört man
nicht gern in Rom: von einem allgemeinen Konzil, von Reformation des geistlichen Standes und daß die Deutschen anfangen klug zu werden Drei Dinge pflegen die Pilger aus Rom mitzubringen: Unreine Gewissen, böse Mägen und leere Beutel.«
1520 schrieb er an Melanchton, daß im Fall der Not die Burgen Franz von Sickingens dem Reformator Luther zur Verfügung stünden. Auch ein Zwischenaufenthalt auf der Steckelburg wäre gewährleistet.
Jedoch »seine Blitze von der Huttensburg«, wie er seine Schriften einmal selbst genannt hatte und »die ihm nur die Ruhe hier und unsere Berge hier gegeben haben «, verfolgten ihn nun selbst. Er flüchtete auf die Ebernburg Franz von Sickingens bei Kreuznach. Von dort aus versandte er seine Schreiben an den Kaiser, an den Kurfürsten von Sachsen, an seinen Dienstherrn, dem Erzbischof von Mainz, an Luther, an alle Stände deutscher Nation, an Sebastian von Rotenhan, seinen Schwager. Nun legte er auch die Gelehrtensprache Latein völlig ab und schrieb nur noch deutsch.

»Latein, ich vor geschrieben hab,
das war ein jedem nit bekannt,
jetzt schreib ich an das Vaterland,
Teutsch Nation in ihrer Sprach,
zu bringen diesen Dingen Rach.«

Hutten selbst war nicht so an einer kirchlichen Reformation interessiert, sondern eher an einer politischen. So ließ er sich sogar auf Gespräche mit dem kaiserlichen Beichtvater ein, um den bevorstehenden Reichstag in Worms im nationalen Sinn zu beeinflussen. Aber das Auftreten des römischen Nuntius trat diesem Vorhaben hindernd entgegen, denn dieser verlangte gegen Ulrich von Hutten und Luther die Verhängung der Bannbulle. Er zettelte noch einen Anschlag gegen die päpstlichen Nuntien an, als diese von Worms nach Rom zurückreisten, jedoch auch dies mißlang.
Diesma! verbarg er sich auf der Sickinger Burg Dürmstein.
Es miß1ang der Versuch, die Städte zusammen mit den Rittern gegen die immer mächtiger werdenden Fürsten zu überreden. So schlug von Sickingen im Herbst 1522 allein los, seine Schlachten verlor er.
Fast die ganze Hutten'sche Familie war an dem Unternehmen Sickingens beteiligt gewesen und wurde jetzt von der Rache der Fürsten verfolgt. Die Besitze der von Hutten in Gronau und Stolzenberg wurden vom Feind besetzt. Die Burg seines Oheims, Mangold von Eberstein, war geschleift worden, dieser selbst bei St. Wendel im Heer von Sickingens gefallen. Die Steckelburg blieb für Ulrich von Hutten unerreichbar.
Er flüchtete in die Schweiz und besuchte in Basel Erasmus von Rotterdam, dieser ließ ihm jedoch ausrichten, daß er ihn nicht zu empfangen wünschte. Noch einmal holte der Todkranke zu einem Schlage aus und verfaßte die Schrift »Herausforderung an Erasmus«.
Eine dreifache Angst des alten Erasmus hatte Hutten das Haus des Gelehrten versperrt: die vor Ansteckung durch den »Pestbringer «, daß er ihm dauernd zur Last fiele und daß er seine eigene Unparteilichkeit kompromittieren würde.
In Zürich wurde er von dem furchtlosen Zwingli empfangen. Dieser sandte ihn erst in das Bad Pfäffers und dann zu einem heilkundigen Pfarrer auf die Insel Ufenau im Züricher See. Hier erreichte ihn noch die Nachricht vom Tode Franz von Sickingens. Am 1. September 1523 starb Ulrich von Hutten einsam und dürftig, seine Schreibfeder war seine einzige Hinterlassenschaft.

Abfahrt

Ich reise. Freund, ein Boot! Ich reise weit.
Mein letztes Wort... ein Wort der Dankbarkeit...
Auch dir, du Insel, dunkle grüne Haft!
Den Hutten treibt es auf die Wanderschaft.
Gewoge rings! Kein Segel wallt heran!
Die Welle drängt und rauscht! Wo ist der Kahn?
Es starrt der Firn mir blaß ins Angesicht...
Die steile Geisterküste schreckt mich nicht...
Ein einzler hagrer Ferge rudert dort...
Schiffer! Hieher! Es will ein Wandrer fort!
Du hältst mich, Freund, in deinen Arm gepreßt?
Bin ich ein Sklave, der sich binden läßt?
Leb wohl! Gib frei! Leb wohl! Ich spring ins Boot...
Fährmann, ich grüße dich! Du bist – der Tod.

Conrad Ferdinand Meyer: Huttens letzte Tage

Das weitere Schicksal der Steckelburg und ihrer Bewohner

Fristeten nach Ulrichs Tod seine Brüder Frowin und Lorenz ihr Dasein auf der Steckelburg, folgten deren Söhne Sebastian und Alexander. Den Nachkommen machten die Bischöfe von Würzburg mit der Belehnung der Burg Schwierigkeiten, man wollte die protestantischen Hutten wohl durch solch rigorose Handhabung des Lehensrechtes zur Rückkehr zum katholischen Glauben zwingen.
Der 30jährige Krieg ließ die gesamte Gegend verarmen. Philipp Daniel von Hutten verkaufte Ramholz und Vollmerz an seinen Schwager Karl Kasimir von Landas für 1200 Gulden. Es ging ihm aber bald wieder so schlecht, daß er um die Überlassung einer Wiese für sein Pferd bat und eines Ackers für den Anbau von Brotkorn. Für seine Hochzeit borgte er sich 50 Taler. 1645 verpfändete er dem Schwager die Steckelburg für 500 Gulden. 1648 verkaufte er an Hessen seine Güter in Altengronau für 28 500 Gulden, löste die Steckelburg wieder ein und wollte auch Ramholz und Vollmerz wieder zurückerwerben. Der neue Besitzer ließ sich darauf nicht ein und es kam zu einem Rechtsstreit, der an die 50 Jahre dauerte.
Die Streitigkeiten um das »Zubehör« der Burg wollten nicht aufhören. 1671 behauptete die Partei des Freiherrn Maximilian von Degenfeld, dem Gatten der einzigen Tochter des Johann Friedrich von Landas, zur Burg gehöre weiter nichts als der Grund und Boden auf dem sie stehe. Die von Hutten konnten nach den Urkunden mit Recht auf eine Anzahl Äcker, Wiesen und Wald hinweisen. Die Grenzbestimmungen wurden nach den Prozeßakten immer seltsamer. Einmal hieß es, der Bezirk der Burg reiche so weit, wie man innerhalb der Ringmauer mit einer Pflugschar werfen könne, ein andermal, so weit, wie ein gemästeter Kapaun von der Mauer aus fliegen könne (!)
1698 lebte noch ein Sohn Philipp Daniels von Hutten und die Gegenpartei schloß mit ihm Frieden. Ramholz und Vollmerz blieben im Besitz der Degenfelder, wofür Johann Hartmann von Hutten, der zu Sannerz wohnte, eine Abfindung von 6000 Gulden und 50 Dukaten erhielt. Er wollte den Degenfeldern sogar die Steckelburg verpfänden, der Würzburger Lehensherr verweigerte jedoch die Einwilligung.
1704 starb Johann Hartmann von Hutten als letzter des Gronauer Stammes. Auf der Burg selbst war nur noch ein Wächter vorhanden. Sie verfiel immer mehr.
1754 – 1768 prozessierte noch einmal die andere Hutten'sche Linie mit den Degenfeldern um den Besitz. 1783 starb diese aus und die Steckelburg wurde endgültig Degenfeldischer Besitz. Als sie in den Kurstaat Hessen einverleibt wurden, konnten sie noch ihre eigene Gerichtsbarkeit durchsetzen, die bis um 1850 als Gräflich Degenfeldisches Justiz-Amt Ramholz bestand.
Nachdem auch dieses aufgehoben wurde, verkauften die Degenfelder im Jahre 1852 die gesamte Besitzung Ramholz an den Fürsten Ernst Casimir von Ysenburg-Büdingen.
Im Jahre 1884 wurde Rittmeister Freiherr Hugo von Stumm Besitzer von Ramholz. Ihm ist nicht nur die Erhaltung der Ruine Steckelburg zu verdanken, sondern uch die Anlage eines Archivs über deren Geschichte.
Seine Nachkommen, die Familie von Kühlmann-Stumm befindet sich heute im Besitz von Ramholz und Steckelburg.

Die Lage der Steckelburg

Auf einem westlichen Ausläufer der Breiten First, umgeben vom Park des Schlosses Ramholz, liegt die Ruine. Ihr Name ist vom mittelhochdeutschen steckel = steil abzuleiten. Der Berg ist tatsächlich so steil, daß vor der Erfindung des Pulvers und der neuen Waffen eine Eroberung der Burg nicht möglich gewesen ist. Einen Nachteil hatte der Berg jedoch, die Fläche auf dem Gipfel war sehr begrenzt.
Von den noch erhaltenen Mauerresten fallen zwei rechtwinkelig aneinanderstoßende Wände eines hohen Gebäudes auf. Dieses Gemäuer ist bis zu 1,70 m stark und erreicht eine Höhe bis zu 15 m. In der Wand der drei Stockwerke befinden sich noch die Fensterhöhlen. Dies sind die Reste des festen Wohnhauses, der sogenannten Kemenate. Es war ein Ersatz für den fehlenden Turm, den Bergfried, jedoch von dieser Höhe konnte man ebenfalls Signalverbindungen mit den benachbarten Burgen herstellen, der Burg Stolzenberg bei Soden, ferner Schwarzenfels und Brandenstein. Diese Kemenate war die einzige brauchbare ritterliche Wohnung der Steckelburg, war also der Geburtsort Ulrichs von Hutten. Daran schließt sich ein halbrunder Geschützturm an, der die schon erwähnte Inschrift »1509 Ulrich von Hutten« über dem ehemaligen spitzbogigen Eingang aufweist. Der Turm ist zweistöckig und unterkellert. Der Zugang zum Burghof führte wohl durch den Geschützturm hindurch. Weitere Reste von bewohnbar gewesenen Gebäuden sind über dem Boden nicht mehr wahrnehmbar. Nur ein Kellergewölbe ist noch sichtbar. Die Burgmauer umgibt die ganze Fläche des Bergplateaus in einer Länge von 34 m und einer Breite von 22 m. Auch die Anlage eines Brunnens ist nicht feststellbar. Am Abhang der »alten Burg« befindet sich die Eselsquelle, was besagt, daß von hier aus das Wasser mit Eseln auf die Burg transportiert wurde.
Der vom Mauerwerk umgebene Raum hat eine Fläche von 765 qm. Hier hat sich die umfangreiche Ansammlung von Stallungen und Schuppen befunden, welche die Burg so eng und übelriechend machte, wie sie Ulrich von Hutten beschrieben hatte.


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