SONDERDRUCK aus "BUCHENBLÄTTER" Nr. 7
Beilage der Fuldaer Zeitung für Heimatfreunde von Samstag, den 27.April 1974

Die Bergfeste Saaleck über Hammelburg

Abriß einer Baugeschichte von Karl Brandler

Am vielfach gewundenen Lauf der Fränkischen Saale grüßt uns von den Höhen der Kalksteinhänge eine Kette malerischer Burgen - teils bewohnt, teils zerfallen - als Zeugen einer bewegten Vergangenheit. Es beginnt mit der "Scherenburg" über Gemünden, der Einmündungsstelle von Saale und Sinn in den Main; 20 km saaleaufwärts erhebt sich dann "Saaleck" über den weit sich öffnenden Saaleauen; es folgt die "Trimburg" bei dem Minnesängerort Trimberg, die "Botenlaube" über Bad Kissingen, schließlich die älteste Veste, am Salzforst Karls des Großen, das "castellum saltce", die "Salzburg" über Neustadt, und nahe der Saalequelle, Schloß "Sternberg".

Befassen wir uns mit der Baugeschichte der Burg Saaleck, die von der des 716 erstmalig erwähnten "hamulo castellum" nicht zu trennen ist.

Für die ersten Jahrhunderte der Baugeschichte von Saaleck (in Klammern die Zahlen des Grundrisses!) ist man auch heute noch auf Vermutungen angewiesen; seine Urzelle ist wohl, wie anderwärts auf gut zu verteidigenden Hönen, eine Fliehburg mit Erdwällen gewesen, auf die sich die Siedler bei nahender Gefahr zurückgezogen haben. Sehr früh in der Baugeschichte auf der Saaleckhöhe - um 800 - muß man auch eine freistehende Kapelle (3) ansetzen, die dem heiligen Georg eweiht war. Ob sie allerdings durch den Missionar Buchoniens, Bonifatius, persönlich konsekriert worden ist, bleibt fraglich. Ebenso unsicher ist die in einer Klosterchronik von Altstadt vermerkte Behauptung, daß nach einer Inschrift des Kapellenaltares Karl der Große hier mit Abgesandten des griechischen Kaisers Nikephorus verhandelt habe und daß er ebenda mit ostfränkischen Adeligen die "Salischen Gesetze" beraten hätte.

Man darf aber Heinrich Ullrich in der Annahme folgen, daß der nordwestliche Eckturm, der spätere Centturm, mit Verlies (1) und einem anschließendem Wohnhaus (2) als Wachtturm und Behausung für die frühesten Bewohner der Saaleckhöhe gedient haben. Denn nach 777 gehörte das Gebiet nördlich der Burg durch Schenkung Karls des Großen den Äbten von Fulda, und Saaleck wurde im 9.Jahrhundert Sitz der fuldischen Burgmänner, die aus den Kreisen der adeligen Ritter der Umgebung kamen und deren Rang bald erblich geworden war. Sie hatten die Pflicht, dort zu wohnen, die Besatzung zu stellen und bekamen meist wiederlösliche Burglehen; Haus, Äcker, Wiesen, Weinberge, Korn, Frucht und auch Gelder. Ein Burggut am Nordhang gehörte zeitweise dazu, auch eine Mühle im Tal und die Kapelle. Einzelheiten über diese ersten Burgmänner und die ersten Amtmänner der Fuldaer Äbte auf Saaleck sind nicht bekannt. Nach einem Geschichtsschreiber der benachbarten Homburg an der Wern müssen um 1030 auch auf Saaleck Bauarbeiten im Gange gewesen sein. Als durch die von Höhenburg 1028 bis 1031 ihre Burg an der Wern stark ausgebaut wurde, sollten sie "uf wart gen Trimburg und Saaleck zu stah´n, daß diese nimmer hierher können rauben gah´n!". Nach Lage der Dinge kann es sich nur um die Erweiterung des Nordflügels gegen Osten hin gehandelt haben (4).

Von weiteren Bauten zur Verstärkung der Befestigung gegen das feindlich gesinnte Würzburg hören wir dann zur Zeit des Abtes Marquard I. - eines ritterlichen Gefolgsmannes von Friedrich Barbarossa -, der sowohl an dessen Reichstagen zu Köln, Merseburg und Speyer, als auch an Barbarossas Römerzug und der Hochzeit mit Beatrix von Burgund zu Würzburg (Gemälde Tiepolos im Kaisersaal der Würzburger Residenz) teilgenommen hatte. Abt Marquard war der erste, der zur Bekämpfung der Unsicherheit aber auch in Erkenntnis der großen Bedeutung des südlichen Eckpfeilers der Fuldaer Herrschaft, dem Ausbau von Saaleck besondere Aufmerksamkeit angedeihen ließ. Er hat den Nordbau (5) erweitert und dann berseits den Südzugang durch den aus massigen Buckelquadern errichteten Bergfried (5) geschützt, in Verbindung mit Halsgraben und Zugbrücke (6) und einer Schildmauer gegen Süden und Westen.

Abt Heinrich von Erthal (1249-1261) vollendete etwa 100 Jahre später die Befestigung, so daß mit neuen Gräben, Mauern und Zinnen, mit einer Wehrmauer im Osten (7) und dem vertieften Halsgraben ein im ganzen dreieckiger Burgbau entstanden war, der nun die Anlage nach der früher offenen Bergseite hin absicherte.

Von diesen Bauten des 12. und 13. Jahrhunderts hat besondere Bedeutung der Bergfried (5) im unteren Teil aus besonders großen Buckelquadern mit Randschlag erbaut, der noch im urspünglichen Zustand erhalten ist. Seine Gesamthöhe lag wohl bei 31 m; sein oberer, im Jahre 1626 eingestürzter Teil aus Fachwerk und Holz mußte dabei bis auf die mächtigen roten Steine abgetragen werden. Bei einer Mauerstärke von 3,34 m und einer lichten Weite von 5,28 m war sein Gesamtdurchmesser, oben etwas verjüngt, bei 12 m. Der um 1630 aufgesetzte Turmhelm in Form einer geschwungenen Haube mit Schieferbedachung, der "Blaue Hut" (siehe Zeichnung), ist im Winter 1922 abgebrannt,  Aus der Ähnlichkeit der Steinmetzzeichen am Bergfried mit jenen an der Burg Prozelten im Landkreis Marktheidenfeld gilt die Bauzeit um 1150 als ziemlich sicher. Ein rundbogiger Eingang (2,08 * 1,10 m) befindet sich 9,20 m über der Bodengleiche und war früher über eine hölzerne Außentreppe zu erreichen. Aus den noch sichtbaren viereckigen Mauerlöchern an der Hofseite läßt sich schließen, daß der Bergfried früher außen einen Wehrgang hatte, Fenster und Erker im romanischen Stil an der Nordseite weisen diese frühen Bauten in das 11. und 12. Jahrhundert. Sie lasssen sowohl außen als auch innen schöne Formen erkennen. An der Stelle der alten Kapelle, die seit 1385 in den Gesamtkomplex einbezogen ist, hat man um 1920 ein schönes romanisches Portal freigelegt.

Ende des 13. Jahrhunderts sollen durch Friedrich von Thüngen (die Familie hatte seit 1230 die Advocatie auf Saaleck) einige Wirtschaftsgebäude (9) errichtet worden sein. Mit dem Ende dieses Jahrhunderts war so als Ganzes eine wehrhafte, starke Burganlage entstanden, die in Zinnen, Erkern und Fenstern ausgeprägt romanischen Charakter hatte. Innerhalb des Hofes blieb der Nordbau durch einen Graben mit Zugbrücke, deren Rollen noch am heutigen Eingang zur Burgschänke sichtbar sind, abgetrennt.

Der Ostflügel als Wohnbau muß dann unter den Amtsleuten aus den Familien derer von Erthal und von Hutten bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstanden sein. Als Bauherren kommen dabei in Frage: 1347 Friedrich von Hutten, 1367 Diez, Hans und Heinz von Erthal, und 1385 Konrad von Hutten, der die große Summe von 1200 Gulden an der Burg "verbaut" hatte; wahrscheinlich hat der Ausbau des Ostflügels, der die vorher freistehende Kapelle einbezog, diese Gelder verschlungen. Auch das 15. Jahrhundert begann 1418 bis 1426 mit Auflagen baulicher Art des Fürstabtes Johannes von Merlau an die Pfandinhaber Conrad von Steinau und Thomas von Rieneck. Die insgesamt 600 Gulden haben damals auf der Ostseite den halben Rundturm mit Schießscharten über dem Kapellenchor entstehen lassen (10). Ende des 15. Jahrhunderts (1489-1494) ließ Barthel von Hutten für 40 Gulden, die seine Witwe später vergütet bekam, bauliche Veränderungen vornehmen. Um diese Zeit dürfte auch der als Streichwehr mit Schießscharten ausgerüstete viereckige Erkerturm zur Verteidigung der Stadtseite gebaut worden sein (10). Anfang des 16. Jahrhunderts hat unter Abt Johann von Henneberg Ulrich von Hutten 50 Gulden für die Erneuerung der Holzbrücke über den südlichen Halsgraben gezahlt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Burg Saaleck keine größeren Schäden durch Kriege oder Brände erlebt. Den eigenen Amtsuntertanen blieb es vorbehalten, im Bauernkrieg die Burg als Feinde zu besetzen und zu verwüsten.

Saaleck, das seit 1523 weder Besatzung noch Wehr hatte, war trotz versuchter gütlicher Verhandlungen des Fürstabtes dem angestauten Volkszorn besonders ausgesetzt. Der Centturm wurde vom Bauernhaufen berannt, schwer beschädigt, und die Wohnbauten wurden zum Teil verwüstet und ausgebrannt, wofür die Rädelsführer der Bauern ein blutiges Strafgericht erdulden mußten. Auch das unterhalb gelegene Burggut, in dem die Bauern längere Zeit gehaust hatten, war danach dem Verfall preisgegeben. Langsam ging - nach dem Zusammenbruch der Aufstände - die Wiederinstandsetzung der Burganlage vor sich.

Ein Jahrhundert später, am 5. Februar 1626, also im 30jährigen Krieg, meldet der Amtmann den völligen Einsturz des obersten Stockwerkes vom Bergfried. Auch die anliegenden Wirtschaftsgebäude und Stallungen seien durch herabstürzende Trümmer sehr beschädigt worden. Die notwendige Abtragung des Obergeschosses ließ den Turm etwa sechs Meter an Höhe verlieren, als der Turmhelm nun direkt auf die roten Steine aufgesetzt wurde. Mit blauem Schiefer in Form einer gewellten Haube war nun der Turm eingedeckt und bekam einen Knopf in Form eines Hutes, der das Zeichen des Heeres- und Gerichtsherren bedeutete. Die leuchtend blaue Bedachung gab dem Turm den Namen "Der Blaue Hut", was später unten am Eingang eingemeißelt wurde.

Im weiteren Verlauf des langen Krieges mußte Saaleck noch öfter Verwüstungen erdulden. So hauste 1642 französisch- weimaranisches Kriegsvolk übel da oben. Als dann die Burg unbewohnt blieb, nutzten die Bauern der Umgegend diesen Umstand, sich von dort die Steine für den Wiederaufbau ihrer verbrannten Höfe einfach zu holen; sie benutzten Saaleck als Steinbruch.

Eine Änderung dieser Zustände kam erst 1644 - kurz vor Ende des 30-jährigen Krieges - mit dem Einzug des fuldischen Coadjutors Salenting von Sinztig, der sich - bei der Abtwahl übergangen - Saaleck als Alterssitz ausgebeten hatte. Er mußte zunächst feststellen, daß Kapelle, Stallungen, und Wohngebäude, besonders auch die Stuben an den Toren, durch Wegführen selbst schwerster Steine nur noch Ruinen waren. Zwischen den Jahren 1644 und 1667 baute er mit größter Sorgfalt die ganze verfallene Anlage wieder auf. Er fand bei seinem Tode seine Ruhestätte in dem Franziskanerkloster Altstadt, zu dessen Gründung er wesentlich beigetragen hatte.

Nach Sintzigs Tod war es der Propst von Holzkirchen und spätere Fürstabt, Kardinal Bernhard Gustav zu Baden-Durlach, der sich 1671 der Bauten auf Saaleck besonders annahm. Er war es auch, dem besonders der Ostflügel seine Wiederherstellung und eine neue Einrichtung verdankte. Über dem Südeingang ließ er das Wappen des Joachim von Gravenegg(1644- 1671) anbringen. Leider waren dem tatkräftigen Bauherrn nur wenige Jahre auf Saaleck vergönnt; Bereits 1677 starb er auf der Rückkehr von einer Romreise, erst 46jährig, im Kellereischloß der Stadt Hammelburg.

Das nächste Jahrhundert brachte mehrere Amtsrechnungen über Ausbesserungsarbeiten; erst im Jahre 1732, dann 1743 für die Aufmauerung des eingestürzten "Wassergewölbes", einer Zisterne, die immer noch die einzige Wasserversorgung Saalecks geblieben war. 1749, als das bisher im Bergfried benutzte Gefängnis nach der Stadt verlegt worden war, beseitigte man im Bergfried eine Decke und die darüber gelegene Folterkammer. Damit entfiel auch der bisherige durch eine Holztreppe erreichbare Zugang, 9,20m über dem Hof, und man meißelte am nunmehr unteren Zugang die Jahreszahl 1750 und "Blauer Hut" ein. 1752 ward auch das Südtor verändert; An Stelle der Zugbrücke wurde mit zwei Schwibbogen eine steinerne Brücke über den Halsgraben gebaut. Anläßlich eines Visitationsberichtes durch das Amt ammelburg erfährt man, daß die Burg nur noch aus folgenden Gebäuden bestanden hat: zwei Wohnhäusern nebst einem kleinen Schäferhäuslein, dem Blauen Hut und einer großen Scheuer mit Stallungen sowie einem Sommerhäuslein im Garten. Damit wird dargetan, daß Saaleck trotz aller Bemühungen Salentin von Sintzigs und des Kardinals Bernhard nur noch ein trauriger Überrest dessen war, was früher als stattliche Anlage durchhaus den Vergleich mit Gelnhausen oder Münzenberg in Hessen ausgehalten hätte!
Doch sollte sich Ende des 18. Jahrhunderts noch einmal ein Fuldaer Fürstabt und Bischof der arg vernachlässigten Burg annehmen und mit Eifer "die zum Einsturz sich neigenden Gebäude von Grund auf zu reparieren". Es war der letzte Fuldaer Fürstbischof Akalbert von Harstall, der 1788 seine Regierung angetreten hatte und den ganzen Bau, den er zur Sommerresidenz erwählt hatte, von 1792 bis 1797 gründlich erneuerte. Ihm verdankt vor allem der Ostflügel sein heutiges Gesicht; aber auch die anderen Trakte, die aus dem 16. Jahrhundert stammten, paßte er den neuen Bauten an; sogar den "Viehstall" erweiterte er (7). 1799 waren alle Arbeiten zu Ende, ein Werk dessen er sich infolge der Säkularisation von 1802 allerdings nur ein paar Jahre lang erfreuen sollte. Nach seiner erzwungenen Abdankung nahm er als Propst von Thulba dort bis zu seinem Tode 1814 in der fuldischen Propstei Wohnung.

Nach vielen politischen Wechselfällen und dem schließlichen Übergang des südlichen Fuldaer Landes an die Krone Bayerns stellten sich nach den dazwischenliegenden 20 Jahren ziemliche Sturmschäden an den Dächern der ehemaligen fürstlichen Wohnung heraus, ebenso an den Bedachungen der Scheuern auf der Westseite, die ja auf der Höhe dem Wetter besonders ausgesetzt waren. Da die Bedachungen nicht rechtzeitig erneuert wurden, war auch in den darunter liegenden Räumen vielfach der Putz abgefallen, was alles in allem fast 300 Gulden an Reparaturarkosten erfordert hätte. Nun kam am 8. November 1833 ein Brand dazu, der die Wirtschaftsgebäude einäscherte, und am 3. September 1866 kam noch einmal schwerer Brandschaden über das Schloß. Er verschlang die 1834 erst aufgebauten Ökonomiegebäude mit allen Erntevorräten, dann die Dächer der fürstlichen des Ostflügels. Nur durch die aufopfernde Tätigkeit der Wehren rettete man den Nordbau. 1867 stellte Baumeister Buchner, Würzburg, die Gebäude wieder her und gab ihnen den einheitlichen gelblichen Anstrich, den wir heute noch sehen. Auch die Wohnzimmer des Fürstbaues wurden wieder prächtig eingerichtet. Dann aber geschah während dernächsten 50 Jahre nichts mehr für die Erhaltung, was sich besonders für den uralten Nordbau verhängnisvoll auswirkte. 1913, nach einer Untersuchung der Bauten durch Stadtbaudirektor Pfeiffer, Wiesbaden, berechnete man den Voranschlag für die Behebung aller Schäden auf fast 15000 Mark. Der erste Weltkrieg brach inzwischen aus, und die Instandsetzung unterblieb!

Endlich, nach der Übernahme des Schlosses durch Hans Creutzer (1920), der sehr viel für alte Baukunst übrig hatte, kam es zur Renovierung des Nordflügels, des Centturms (12) und des Bergfrieds. Massen von Brandschutt wurden entfert. Im ältesten Burgverlies, dem Nordwestturm, fand man neben einem Gerippe zwei getriebene Bronzeschüsseln aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. und römische Münzen. Der Nordbau zeigte nach teilweiser Entfernung des Verputzes schöne romanische Tür- und Fensterumrahmungen; ein romanisches Portal und ein gotischer Altarstein fanden sich bei der Kapelle, Bruchstücke alten Geschirrs und Glasfläschen im Untergeschoß des östlichen Streichwehres. Mitten in diesen Erneuerungsarbeiten verlor am 8. Februar 1922 bei unvorsichtigen Auftauarbeiten der Blaue Hut seine Schieferhaube. 1925 waren die Renovierungen Creutzers ziemlich beendet; 1928 schloß man an die Stallungen einen geräumigen Wirtschaftsspeicher (11) an. Nachzutragen ist noch, daß 1870 ein Wasserdruckwerk erbaut worden war, das nun Saaleck mit dem notwendigen Wasser versorgte, nachdem schon unter Adalbert von Harstall mehrmals versucht worden war, durch Sprengungen bis zu 24 Klafter Tiefe Wasseradern anzuschlagen.

Ganz spärlich sind die Baunachrichten über die Kapelle zum Heiligen Georg auf Saaleck, deren Errichtung -freistehend- man wohl in das 8. Jahrhundert setzen muß. Urkunden über ihre Besetzung mit Geistlichen liegen dann erst wieder 1246, 1294, 1456, 1476, 1504, 1505 und 1511 vor. Seit der Reformation sei sie nicht mehr benutzt worden. Dann sollen die Bauern sie 1525 zerstört haben; Salentin von Sintzig habe sie um 1650 wiederaufgebaut; das bedeutete, daß er wieder die Mauern und den Chor in die Bauanlage einbezogen hat und sie als Hauskapelle benutzte. Die Ausstattung der Kapelle war dürftig. 1512 werden aufgeführt: "ein Kelch, ein Meßbuch und sunst zwen alt Bücher sowie 2 Meßgewand".

Das letzte Kapitel der Baugeschichte Saalecks bestreitet die Stadt Hammelburg, die aus Mitteln der Von-Günther-Stiftung am 1. 4. 1964 Schloß und Weingut fpr 642000 DM von den Brüdern Biffar, Maikammer, käuflich erwarb. In Erkenntnis notwendiger Opfer hat dann der Stadtrat beschlossen, zunächst die Serpentinenstraße zum Schloß hinauf mit einer guten Asphaltdecke zu versehen und 10 Zimmer im Nord- und Ostfllügel so auszustatten und wohnlich einzurichten, daß sie allen Ansprüchen selbst verwöhntester Besuche, Rechnung tragen. Auch die Trauungen in dem geschmackvoll eingerichteten "Von-Günther-Zimmer" und anspruchsvolle Hochzeitsfeiern in der Schloßschänke finden mehr und mehr Anklang. Der "Schloßausschuß" des Stadtrates und Kellermeister Full wachen über das Weingut und die Schloßschänke. Die Fahne der Stadt, die über dem Bergfried flattert, und die Scheinwerfer, die abends das Bergschloß anstrahlen, rücken die einmalig schöne historische Gaststätte heute "ins rechte Licht". Unter den gastlichen Burgen Frankens genießt Saaleck heute den gleichen hervorragenden Ruf wie der "Saalecker" unter den Frankenweinen.

Benutzte Quellen und Literatur:

Franziskanerkloster Altstadt
 

Auf der alten Straße von Karlstadt nach Hammelburg liegt, an den Fuß des Bergsporns "Saaleck" hingeduckt, das Franziskanerkloster Altstadt, 1649 gegründet, ein Jahr nach dem 30jährigen Krieg. Die Kirche bietet ein gutes Beispiel des ländlichen Frühbarock; die Bibliothek mit frühen Drucken und Handschriften ist jüngst dem Minoritenkloster in Würzburg überwiesen worden. Von hier führt ein Kreuzweg auf den Schloßberg, der mit einer Kreuzigungsgruppe direkt vor "Saaleck" endet.
 

Hammelburg

Weinwuchs meldet schon die Urkunde von 777, in der Karl der Große den Ort Hammelburg und seine Umgebung an das Kloster Fulda schenkte. Fortan wurde der fränkische Königshof zu südlichsten Grenzfestung Fuldas gegen das Hochstift Würzburg ausgebaut, das begierig war, auch den Westrand der Rhön in die Hand zu bekommen. Noch Julius Echter versuchte per Handstreich jenen Fürstabt B. von Dernbach zur Abdankung zu zwingen. Das Schloß der Fürstäbte (heute Landratsamtsstelle ist ein schlichter Bau, von Andreas Galasini mit der Schauseite in rotem Sandstein nach Westen gestellt. Die Pfarrkirche St. Johann Baptist wird 741 unter den Kirchen genannt, die Karl d. Gr. an das junge Bistum Würzburg schenkte. Die jetzige Kirche, eine spätgotische Basilika, wurde 1389-1461 errichtet. Bei der Erweiterung 1957 wurden Portal und Empore Stein für Stein abgetragen und 16m weiter westlich wieder aufgebaut. Eine herrliche Barockmadonna, 1720 von Jacob van der Auvera geschaffen, thront auf dem Hochaltar.

Das Rathaus 1526-29 an die Südseite des Marktplatzes gestellt, wurde 1854 durch Brand zerstört und "bereinigt" aufgebaut. Der Platz trägt ein Kleinod: den Renaissancebrunnen, 1541 von Johann Schoner errichtet. Wuchtige Pfeiler, mit Medaillons belegt, tragen Balken, auf denen Halbbogen aufsitzen, die auf ihrem Schnittpunkt einen Löwen mit Wappen tragen. Reicher Schmuck aus zarten Profilen, antikisierenden Köpfen, aus Zapfen und kleinen Pyramiden überlagern das Gehäuse.


Links: http://www.pbase.com/bernd/castle_saaleck
http://www.rhoenline.de/burg/burg_schloss_saaleck.html