Die Herren von der Tann besaßen damals Stadt und Schloß Meiningen, die der Bischof ihnen abnehmen wollte und so ließ er die Stadt überfallen.
Die Gründe sind in dem folgenden Schreiben vermerkt:
»Allen und jeden geistlichen und weltlichen Fürsten, Grafen, Freiherren, Herren, Rittern, Knechten, Städten, Märkten, Gemeinden und allermänniglich, denen dieser unser Brief zukommt, entbieten wir Johann, von Gottes Gnaden Bischof von Würzburg, unsere freundlichen Dienste, Gruß und alles Gute. Ehrwürdige, hochgeborene, edle, liebe Herren und besondern Freunde!
Obgleich die Herren Georg, Heinrich, Eucharius, Burkhard und Philipp von der Tann, Gebrüder, uns und unserem Stift in unserer Burg und Stadt Meiningen mannigfaltige Beschädigungen zufügten und die erwähnte Stadt selbst zum Ungehorsam gegen uns aufreizten, ließen wir keine Wege unversucht, diesen Mißstand auf gütliche Weise zu beseitigen, allein ohne den erhofften günstigen Erfolg. Denn die genannten Herren von der Tann haben sogar Meiningen besetzt und sich aneignen wollen. In der Nacht zum 3. August begannen die Bürger die Mauern und Türme der Neuenburg niederzureißen, worauf am 6. August die Ritterschaft Feindesbriefe in die Stadt sandte und sie zu beschießen begann. Die Bürger beschossen darauf hin das Schloß! Am Abend des 14. August kam Herzog Ott nach Würzburg.«
Die Brüder Karl und Kunz von Thüngen, welche bis dahin mit dem Bischof in Fehde gelebt hatten, vergaßen ihre alten Unstimmigkeiten und kamen auf dessen Bitte mit einer starken Heerschar von Reitern gegen die Stadt zur Hilfe. Aus Dankbarkeit gab ihnen der Bischof jenen Brief zurück, in dem die von Thüngen dem Bischof Wolfram die Öffnung der Reußenburg auf ewige Zeiten versprochen hatten. Karl und Kunz von Thüngen versprachen nun in einem offenen Brief, den Karl mit seinem Insiegel versah, nur Kunz nicht, da er ihn nicht bei sich hatte, mit dem Stift in einem besseren Einvernehmen zu bleiben.