Das Schloß Reußenberg wird mit Erlaubnis des Bischofs gebaut und den Edlen von Thüngen gegen Verschreibung übergeben
Die ehemalige Thüngensche Burg befindet sich in der Nähe von Höllrich auf einem Berg, der heute zum Truppenübungsplatz Hammelburg gehört. Die Ruinen des kleinen Burgbaus wurden restauriert, in den Rumpf des Wohnturmes ein neuer Treppenaufgang gebaut. Die Edlen von Thüngen erbauten mit Bewilligung des Bischofs auf dem Eichelberg bei Höllrich ein Schloß und stellten deshalb nachstehenden besiegelten Revers aus:
»In Gottes Namen, Amen. Wir, Andreas, Albrechr. und Lutz von Thüngen, Gebrüder, und Dietz, des Andreas Sohn, bekennen vor allen Gegenwärtigen und Nachkommen, welche diesen Brief sehen oder lesen hören, daß uns der Ehrwürdige in Gott Vater, Herr Wolfram, Bischof des Stiftes zu Würzburg, gnädig vergönnt und gestattet hat, auf dem Eichelberg bei dem Dorfe Holderich (Höllrich) im Herzogtum Franken eine Burg zu erbauen und solche Reußenburg zu nennen. Dafür haben wir ihm als unserem Landesherren mit handgebenden Treuen verheißen und gelobt, auch deshalb einen leiblichen Eid zu den Heiligen geschworen, und geloben in Kraft dieses Briefes für uns, unsere Erben und Nachkommen und bei Vermeidung des Verlustes aller unserer vom Stifte Würzburg verliehenen Lehen, daß wir und unsere Nachkommen auf erwähnter Burg unserem Herrn Bischofe und seinem Stifte zu ewigen Zeiten treu und gewahr sein und ihm diese Burg bei aller vorkommenden Notdurft öffnen wollen wider alle seine Feinde, so oft er oder seine Nachfolger im Stifte uns oder unsere Nachkommen darum ansprechen werden, ausgenommen wider den achtbaren Grafen Berthold von Henneberg und dessen Erben. So lange das Stift Krieg führt, wollen wir, wenn der jeweilige Bischof oder das Domkapitel uns hierzu auffordert, das Schloß einem dem Stifte getreuen Lehensmann als Befehlshaber überlassen, und nach Beendigung der Fehde dasselbe wieder zurücknehmen, worüber uns der Befehlshaber immer eine genügende Versicherung zu leisten hat. Sollte aber der jeweilige Bischof oder das Stift mit dem erwähnten Grafen Berthold in Fehde geraten, so soll unser Schloß weder dem Stifte Würzburg noch dem Grafen von Henneberg als Festung oder Zufluchtsort offen stehen. Sollten wir oder unsere Nachkommen durch Verschuldung gezwungen sein, unser Schloß zu verkaufen oder zu verpfänden, so soll dies nur an getreue Lehensmänner des Stifts geschehen, welche auf gleiche Weise wie wir, gelobt und geschworen haben, das Schloß zu warten, wie es von uns geschehen ist. Dagegen hat unser Bischof versprochen, für sich und seine Nachkommen im Stifte, uns und unsere Erben in dem Besitze des Schlosses getreulich zu handhaben, zu schützen und zu schirmen. Zu wahrer Urkunde aller dieser Punkte haben wir dem Bischofe Wolfram diesen mit unserem Insiegel bekräftigten Brief ausgestellt, der gegeben ist am 17. Tage des Mai 1333.« -
Auf diese Verschreibung hin wurde den Edlen von Thüngen gestattet, die Reußenburg zu bauen. Der Bischof glaubte, in den von Thüngen treue Vasallen erworben zu haben, die sich hauptsächlich nicht mit den Hauptfeinden des Bistums, den Hennebergern, zusammen tun würden. Bald nach dem Aufbau gab es jedoch schon Streitigkeiten. Die von Thüngen wollten den Bischöfen nicht nur das Schloß in Notfällen versperren, sondern mißbrauchten es auch noch zur Beunruhigung der Untertanen »durch Kontribution, Brand, Mord und Gefängnis«.
Sie zogen also aus den Umwohnern Steuern heraus, Widerspenstige wurden umgebracht oder ins Gefängnis geworfen und ihre Behausungen angezündet. Der Grundstock zu einer Art Raubritternest war gelegt worden und das mit Genehmigung der Fürstbischöfe. Zu ihrer Rechtfertigung gaben die Ritter an, sie hätten das Stift Würzburg um Beschirmung des Schlosses angesucht, diese aber nicht erlangt, und fühlten sich hiermit auch nicht verpflichtet, die in der Verschreibung gegebenen Versprechen einzuhalten. Zweimal zog der Bischof vor den Reußenberg, um ihn mit Waffengewalt einzunehmen, konnte ihn aber nicht erobern.