Die Entstehung der Burgen in der Fränkischen Schweiz
Nach der Jahrtausendwende haben im stark bewaldeten Juraterritorium eine stärkere
Besiedlung und der Bau von Burgen eingesetzt. Mit der Gründung des Bistums Bamberg
1007 wurden in einer Schenkungsurkunde des Königsguts Forchheim auch Namen des
östlich gelegenen Gebietes, beispielsweise Untertrubach, Hetzelsdorf, Thuisbrunn,
Kirch- und Oberehrenbach genannt.
In einer Urkunde Heinrichs IV. folgen 1062 weitere
Nennungen, so z.B. Wiesenthau, Pinzberg, Weilersbach oder das abgegangene
Almannshof, einst unterhalb von Reifenberg gelegen.
Mit dem 11. Jahrhundert begann der Adel sich nach neu errichteten steinernen
Höhenburgen zu benennen. Diese Burgen lösten in ihrer Bestimmung und Funktion die
vorher existierenden ottonischen Landesburgen ab.
Kunstmann geht unter Berufung auf Emmerich davon aus, daß derartige frühe
Landesburgen im Untersuchungsgebiet in Aufseß und auf der gesamten gegenwärtigen
Oberstadt von Hollfeld lagen. Der Burgenbau dürfte weniger vom Königtum, vielmehr
vom Adel ausgegangen sein.
Die Häuser, die sich der Adel schuf, werden ebenfalls frühestens im 11. Jahrhundert
aus Stein erbaut worden sein. Bei den, die baugeschichtliche Entwicklung bestimmenden
Sakralbauwerken, wurde diese Bauweise in aller Regel erst nach der Jahrtausendwende
praktiziert. Auf der Wartburg beispielsweise ersetzte Ludwig der Springer im
Jahr 1067 Holzgebäude durch steinerne. Gebäude mit geringeren repräsentativen
Funktionen oder auch Obergeschosse wurden aber nach wie vor in Holzbauweise errichtet.
Die Kalkfelsen des Jura bildeten hervorragende Möglichkeiten, um auf ihnen wehrhafte,
aber auch repräsentative Gebäude zu errichten. Nach Voit bildeten im Gebiet der
heutigen Fränkischen Schweiz im 11. Jahrhundert acht edelfreie Geschlechter ihre
Gerichts- und Grundherrschaften, deren Machtzentren durch entsprechende Burggebäude
repräsentiert wurden.
Zu ihnen gehörten die Walpoten, die Ahorn, die Volsbach, die Leutenbach, die Aufseß,
die Waischenfeld, die Schlüsselberg und die Plankenstein.
Hinzu kam Pfalzgraf Botho von Kämten, der vor 1070 Burg Pottenstein erbaute
und der Henneberger Graf Gozwin, der vor 1076 Burg Gößweinstein errichtete.
Beide Burgen wurden nur kurze Zeit später bambergisch.
Ergänzt wurde diese Führungsschicht der Gründungsphase durch die Sterker von
Muggendorf und das baierische Geschlecht von Ettling, das Burg Reifenberg errichtete.
Die letzten beiden Familien sind erst Anfang des 12. Jahrhunderts belegt.
Neben diesen Geschlechtern erbaute sich auch der ministeriale Adel wichtige
Burgfestungen als freieigenen Besitz, wie Rabeneck, Bärnfels, Stierberg, Leienfels
oder Trockau.
Diese ursprünglich allodialen Besitztümer gerieten mehr und mehr unter die
Machtkontrolle des Hochstifts Bamberg, der Nürnberger Burggrafen und der Landgrafen
von Leuchtenberg. Bis in das 13. Jahrhundert erloschen die edelfreien Geschlechter
mit Ausnahme der Aufseß und der Schlüsselberg.
Letztere waren das einzige Adelsgeschlecht der Region, das den Landesherren bis
zum Ende Konrad 1. im Jahr 1347 auf Neideck erfolgreich Paroli bieten konnte.
Auch in der baulichen Dimension ihrer wichtigsten Burgen setzten die Schlüsselberg
in ihren letzten Generationen neue Maßstäbe. Sie paßten sich zunächst mit ihren im
frühen 13. Jahrhundert errichteten Burgen, Schlüsselstein ob Ebermannstadt und
Schlüsselberg südlich Waischenfeld, dem üblichen Burgenbau an, um kein halbes
Jahrhundert später mit Waischenfeld und vor allem Neideck in neue Größenordnungen,
bezogen auf die Region, vorzustoßen.
Das war durch ihren enormen Machtzuwachs, vor allem aber durch die Finanzstärke
dieses Geschlechtes möglich geworden.
Durch den beschriebenen Burgenbau wurde zunächst, im Gegensatz zur Verteidigung der
großangelegten Landesburgen ottonischen Typs, eine militärstrategische Defensivarbeit
mit weit weniger Bewaffneten erreicht. Der Begriff "castrum" ersetzte in der Regel
die Bezeichnungen "castellum" "civitas", "urbs", wenngleich der Übergang fließend
erscheint.
In der seit dem Ausgang des 13. Jahrhunderts beginnenden Abfassung von Urkunden in
deutscher Sprache wird für "castrum" der Begriff Burg (burch, purk u. ä.) verwendet.
Vom 12. bis in das frühe 15. Jahrhundert finden sich zusätzlich, offensichtlich für
kleinere Burganlagen, die Bezeichnung"domus" oder"domus lapidea" für Haus bzw.
Steinhaus. In die gleiche Zeit weist die Bezeichnung "municio" für Veste.
Mit Beginn des 15. Jahrhunderts ersetzte der Begriff Schloß zunehmend die
Bezeichnung Veste. Ebenfalls traten seit dieser Zeit gehäuft die Begriffe Sitz,
Turm und Haus in Erscheinung. Die Bezeichnung Burg trat in den Hintergrund.
Die militärische Funktion der Burgen wurde bereits erwähnt. Ihre überlegene und
herausragende Bedeutung wird in der neueren Forschung teilweise in Frage gestellt.
Jedenfalls gehörten Burgen zum adeligen Lebensstil und Selbstverständnis.
Zeune hebt eine soziologisch orientierte Begründung noch deutlicher heraus,
indem er Teile der Burg überwiegend als Symbole adeliger Machtansprüche beschreibt.
In diese Aufgaben verweist er vor allem Bergfried, Turm- und Torbauten.
Die dort vertretene Auffassung, daß der Bergfried bei einer Belagerung auch zum
steinernen Sarg werden könnte, ist mit dem Tod des letzten Schlüsselberg auf der
Hauptburg von Neideck eindrucksvoll bestätigt. Der Bergfried war nach Einnahme der
Vorburgen nicht letztes Bollwerk, sondern mitunter todbringende Falle. Daß dieses
Problem gegeben war und auch erkannt wurde, zeigen die Einbauten von Schlupfpforten
bei zahlreichen Burganlagen. Sie erfüllten die Funktion eines letzten Fluchtwegs.
Die Wirtschaftsfunktionen der Burgen in der Fränkischen Schweiz sind nicht
ausreichend erforscht. In der Politik der Schlüsselberg haben wirtschaftspolitische
Fragen einen wesentlichen Stand besessen. Das edelfreie Geschlecht betrieb eine
ausgesprochen gut funktionierende und umfangreiche Geld- und Finanzpolitik.
Für den wirtschaftlich wichtigen Schutz der Juden ihres Territoriums riskierten
sie einen extrem hohen Einsatz. Ebenso kann aus der Parteinahme zugunsten der
Reichsstädte und gegen die Landesherren vom Wissen um die Bedeutung
wirtschaftspolitischer Fragen geschlossen werden.
Dies läßt natürlich auch den Schluß zu, daß neben den Märkten und Kleinstädten
auch die Burgen Wirtschaftsfunktionen ausübten. Die großen Anlagen der Schlüsselberg,
Neideck und Waischenfeld beispielsweise, waren mindestens Zentren des
Wirtschaftsgefüges der schlüsselbergischen Grundherrschaft.
Von den Burgen der Region aus war es möglich, Kontroll- und Sperrfunktionen über die
Verkehrswege auszuüben. Eine Aufgabe, die für Höhenburgen in Gebirgsgegenden in Frage gestellt
werden kann, ist auf dem Jura wegen der geringen Höhe über dem Tal erfüllbar gewesen.
Die Burgen der Region liegen durchschnittlich nur etwa 80 m über Taliniveau und damit
in guter Nähe zu den zu kontrollierenden Straßen und Wegen, die in aller Regel auch
auf den Höhen oder auf Talterrassen verliefen.
Die Burgen strahlten offensichtlich doch Stärke, Macht und auch Sicherheit aus.
Sie sind deshalb auch Ausgangspunkt der Orts- und Siedlungsgründungen in unserem
Raum gewesen. Dort, wo der Adel seine Burgen gründete, ließen sich in der Folgezeit
auch Händler, Kaufleute, Handwerker und andere Bevölkerungsgruppen nieder.
Die Burgen der Fränkischen Schweiz haben somit auch die Besiedlung dieses Raumes
entscheidend beeinflußt
.
Joachim Bumke, Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter,
2 Bde. München 1986;
Ernst Eichler, Zur Deutung slawischer Ortsnamen in der
Fränkischen Schweiz, in: Die Entdeckung der Fränkischen Schweiz durch die Romantiker,
Forchheim 1993;
Johannes Fried, Die Formierung Euopas, München 1991;
Otto Piper, Burgenkunde, München 1912, ND 1994;
Hellmut Kunstmann, Mensch und Burg, Würzburg 1967;
Eduard Rühl, Kulturkunde des Regnitztals und seiner Nachbargebiete von Nürnberg bis
Bamberg aufgezeigt an Kulturdenkmälern (Schriften der Altnürnberger Landschaft 10)
Nürnberg 21966;
Gustav Voit, Die Walpoten (Schriften des Fränkische Schweiz Vereins 11) Erlangen 1996;
Joachim Zeune, Symbole der Macht -. Ein neues Bild der mittelalterlichen Burg,
Regensburg 1996.
Toni Eckert
Links:
http://www.fraenkische-schweiz.com/burgen/burgenland.html