Burg Brandenstein 

Gemeinde: Schlüchtern-Elm
Landkreis: Hanau
Grundriß in: Krahe
Erbaut: vermutlich 1240

BURGEN ZWISCHEN ROMANTIK UND WIRKLICHKEIT

In der Nähe von Schlüchtern, hart an der Bahnstrecke Gemünden – Fulda, an dem Brandensteiner Tunnel gelegen, liegt auf dem vorspringenden Hügel des bewaldeten Landrückens die Burg Brandenstein. Die Entstehungszeit der Burg liegt im Dunkel der Geschichte. Es ist anzunehmen, daß die Herren von Steckelberg, die in Altengronau ansässig waren, die Burg Anfang des 13. Jahrhunderts erbauten und sich nach ihrem neuen Wohnsitz benannten.

1300 belehnte ein Konrad von Brandenstein die Brüder von Hutten mit einer Vogtei bei Elm. Später wurden diese Vogteirechte der Burg vom Bistum Würzburg dem Kloster Schlüchtern übertragen. 1316 erwarb Ulrich von Hanau erst eine und 1377 die andere Hälfte des Amtes Brandensr.ein von Graf Ludwig dem Jüngeren von Rieneck.

Das wechselvolle Schicksal der Burg ist durch ihre Lage verständlich, man konnte bis zum Steinauer Schloß des Grafen von Hanau sehen, an dem des »Reiches Straße «, die Handelsstraße Frankfurt – Leipzig vorbeiführte. Auf dieser Straße zogen Kaiser und Könige mit ihren Heeren und Kaiser Rudolf von Habsburg verlieh persönlich im Jahre 1290 Steinau die Stadtrechte.

Im 14. Jahrhundert gelangten die Grafen von Hanau in den Besitz der Burg und waren über drei Jahrhunderte Herren auf Brandenstein. Kurze Zeit wurde sie den von Thüngen der Linie Zeitlofs übergeben und 1424 kam sie in die Hände Mangolts aus dem Geschlecht der Ebersteiner, denen schon ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Die Burg wurde der Hanauer Gerichtsbarkeit entzogen und wurde ein selbständiges Amt.

Die Ebersteiner auf Burg Brandenstein

Mangolt I. von Eberstein zum Brandenstein war ein Landedelmann, der ehrlich das ihm anvertraute Lehen verwaltete und seinen Besitz erweiterte.
Sein Enkel, Mangolt II. aber war jener fehdelustige Ritter, dessen Taten wir auch schon kennengelernt haben.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts gelangten Burg und Gericht Brandenstein wieder in die Hände der Steckelberger, da die dort ansässig gewesene Linie der Ebersteiner 1540 ausgestorben war.
Lassen wir uns von Hans von Hammerstein auf den Brandenstein des Mangolt von Eberstein zurückversetzen. 1921 und 1922 erschienen die beiden Romane >Ritter, Tod und Teufel< und >Mangold von Eberstein<, welche an Hand der Fehde zwischen Mangolt und der Stadt Nürnberg das sterbende fränkische Rittertum schildern.

Aus »Ritter, Tod und Teufel«: Der Brandenstein

»Auf dem Brandenstein bellen die Hunde.

In der schrägen Talrinne, die, vom Dörfchen Elm ostwärts heraufsteigend, den Vorsprung des Schloßberges von den nördlich vorgelagerten Höhen des Ebertsberges und Escheberges abdrängt, stand bei einem fließenden Brunnen ein buckliges Männlein und ließ eine Butte voll Wasser laufen. Zwei Esel mit Traggerüsten auf dem Rücken warteten geduldig nebenbei und rupften grünende Kräutlein vom Rain der steinigen Burgstraße. Während die schwache Quelle langsam gurgelnd das erste Behältnis füllte – drei ebenso große harrten noch der Füllung am Brunnenrand – sah der Bucklige in der Gegend herum. Er blinzelte zur werttergrauen Nordseite der Burg hinauf, die steil oben gegen einen silberig durchscheinenden Regenhimmel auf der kahlen Bergnase hingestreckt. lag: gegen Osten, wo der Rücken mit einer

sanften Einsattelung vom Escheber"abzweigt, zuvörderst aus Felsgrund erwachsend der hohe Bau der zweistöckigen Kemenate mit wenigen kleinen Fenstern im unbeworfenen, düstern Bruchsteingemäuer und jähem Schindeldach, hier von der Schmalseite zu sehen mit einem eckig ausladenden Erkerbau gegen den Berg hin und einem geduckten, runden Turmdach nach der Hofseite, anstoßend niederer die langen Nebengebäude mit einem Querbau, der, einen stämmigen Wehrturm aufreckend, die innere Burg abschloß, dann um eine Stufe tiefer die Mauern und Stadel der Vorburgan den westlichen Niedersteig der Höhe hinausgeschoben. Da, wo es den Absatz von der inneren zur äußeren Burg macht, sprang hinter der auseckenden Mauer des Grabenzwingers das wilde Hundegebell hervor, züngelte heiß und lechzend an dem verwitterten Turm hinauf und trieb mit dem seufzenden Nordwestwind über die scharfen Giebel ins Land hinaus. Ein Schäfer zog bergwärts die Wiese hinan, der Eseltreiber nebenher die Straße weiter, die sich oben in der Sattelung verzweigte: eine Weggabelung stieg an einem bebüschten Steinbruch vorbei den Escheberg hinauf, eine lief jenseits den Hang nieder ins östliche Tal, die dritte bog scharf nach Westen um zur Burg hinüber und führte erst durch ein altes Gemäuer, den Rest eines vor Jahrhunderten zerstörten und nicht wieder hergestellten Vorwerks, dann eine erhaltene Mauer, die ihn südseitig gegen die Berglehne grenzte, entlang auf das erste Tor zu.

Auf eine halbe Meile ostwärts vor dunklen Forstwänden, die schon der Rhön angehörten, steil aufzackend mit Turm und Giebel der Steckelberg, die Huttensche Burg, im Mittag die letzte Welle des Spessart breit und mächtig hereinblauend, westwärts, von einem Grashügel, der Giebel genannt, zum größten Teil verdeckt das Städtchen Schlüchtern im Tal der Kinzig, das dann nach Südwesten zwischen dem Spessart und den Verbreiterungen des Vogelsberges offen über Steinau, Salmünster und Gelnhausen gegen Aschaffenburg hinabzieht.

Der Nickel, das bucklige Männlein, bemerkte nichts Ungewöhnliches im Tal und schritt pfeifend seinen Eseln nach durchs Burgtor, das mit einem Nebenpförtchen unter dem steilen Bau der Kemenate an den grauen, brüchigen Mergelfels gelehnt, den Weg überwölbt. Am Bogengiebel war das Hanausche Wappen in Stein gemeißelt, weil die Grafen von Hanau die Burg vom Bistum Würzburg zu Lehn und dem Großvater des Mangold von Eberstein in Pfandschaft mit dem Beding vergeben hatten, daß er die Befestigung ausbaue und das Schloß wohl behüte. Hinter dem Tor vor dem hangseitig stehenden Pförtnerhäuschen saß der alte Torhüter neben seinem Spieß. Ohne Gruß trollte der Eseltreiber vorbei und die Wehrgasse zwischen der Mauer und dem burgwärts in schmalen Terrassen aufsteigenden Zwingergärtlein entlang dem zweiten Tor zu, das den Vorhof mit einem Schnellgatter abschloß.

Im Hof, wo eine alte Linde sich wölbte, stand eben der Stallbub Kilian, eine Schippe mit dampfendem Roßmist unschlüssig in den ungefügen Händen, und starrte offenen Mauls zum wolkentrüben Himmel. Wiehernd trieb der Esel nach rechts zur Schlagbrücke, die über dem kurzen, mauerumschränkten Grabenstück lag, das die innere Burg vom Vorhof schied. Links der Brücke war der Graben als Hundezwinger abgeteilt. Die Köter huben ein verstärktes Wutgeheul, als die Eselei über die Brücke polterte und im finsteren Torbogen verschwand, über dem sich, dem stockhohen Querbau aufgesetzt, der kräftige Turm mit Wappensteinen, Pechnase und vorspringenden Wehrkranz unterm Dach erhob. Wie das Haus, dem er entstieg, aus unbeworfenen, bräunlichen Bruchsteinen erbaut und an den Kanten von stärkeren Quadern gefaßt, blickte der hohe Landspäher düster und abweisend aus schmalen Schießscharten, die den inneren Treppenstieg bezeichneten, und kleinen Bogenfenstern über die Fachwerkbauten und Holzstadel über die Vorburg ins Tal nach Elm und Schlüchtern hinunter und drüber hinaus weit in die waldigen Höhenzüge.

Der innere Burghof, mitten quer von einem mannshohen Mauerabsatz, den ein Treppchen durchbrach, in einen tieferen und einen höheren Plan geteilt und von Gebäuden verschiedenster Art umdrängt, gemahnte fast an ein verlorenes Plätzchen in einem alten Städtlein. Im Osten, dem Torbau gegenüber auf dem oberen Plan die Breitseite der hohen Kemenate mit einem runden Treppenturm in der Mitte, der das Hütchen nicht bis zum Dachfirst erhob. Südseitig des Tores die Herrenstallung, nordseitig niedere Häuschen, eins tiefer, eins höher, eine Linde dazwischen. Das Pflaster rauh und uneben, hier eine Mulde, da ein Stüflein hinauf, da eins hinunter. Eckige und bogige Tore, Türen, Fenster und Fensterlein, Strebepfeiler, verwitterndes Fachwerk und unbeworfenes Steingemäuer, Ziegel- und Schindeldachung, Giebel und Giebelchen. Zwischen Stallung und Kemenate auf dem höheren Absatz ein Gärtchen in neuer Stufung zur Südmauer ansteigend und in diese an der Stallwand mit einer Laube ausbuchtend, die den Blick hinunter auf das äußere Tor, das Pförtnerhäuschen, die Wehrgasse mit dem Zwinger und drüber weg in Talung und Gebirge gab. Ein uralter Nußbaum überwölbte es und breitete die Zweige noch jenseits der Mauer hinaus.«

Das Schicksal der Burg bis zum Jahre 1866

Auch der sonst so stille Bergwinkel, wie man das Gebiet um Schlüchtern nennt, wurde in die Wirren des 30jährigen Krieges hineingezogen. Die Bevölkerung wurde durch Abgaben und Einquartierungen ausgebeutet und verarmte völlig, soweit sie am Leben blieb. In Schlüchtern und Elm wurden in kürzester Zeit 300 Mann und Fußvolk 1000 Mann, dazu 1000 Pferde einquartiert. Kein Wunder, daß die Menschen der umliegenden Ortschaften auf der Burg Schutz suchten. 1642 starb der Mannesstamm der Hanauer-Münzenberger Linie aus und der Lehensherr der Burg, der Bischof von Würzburg, ließ sie besetzen, bis entschieden war, ob die Hanau-Lichtenberger Linie als Erbe eingesetzt wurde.

1736 starb auch diese Linie des alten Geschlechts aus und ihre Besitzungen und hiermit auch die Burg Brandenstein, gingen in Hessen-Kassel über.

1766 wurde das Amt Brandenstein, zusammen mit Altengronau und Schwarzenfels der Verwaltung Hanaus unterstellt.

1813 zog Napoleon Bonaparte mit seinen Truppen durch das Tal der Kinzig. Das 60000 Mann starke Heer wurde in den umliegenden Ortschaften einquartiert. Kurz darauf folgten die Osterreicher unter der Führung ihres Kaisers und nach der gewonnenen Völkerschlacht bei Leipzig mußte die Bevölkerung den Rückzug der geschlagenen Franzosen sowie die Scharen der sie verfolgenden Sieger erdulden.

Verwaltungsreformen gab es auch schon damals, so wurden 1822 die Ämter Brandenstein, Schwarzenfels und Steinau vereinigt, 1832 wurde Brandenstein dem neugeschaffenen Justizamt Schlüchtern unterstellt. Das über 500 Jahre alte Gericht Brandenstein hatte aufgehört zu existieren, aus dem Anwesen war eine gewöhnliche Staatsdomäne geworden. Der Meistbietende bekam sie zur Pacht.

Kurhessen stand im Bruderkrieg von 1866 auf der Seite Österreichs und wurde nach dem verlorenen Krieg durch Preußen annektiert, zusammen mit Nassau und Frankfurt bildete es die Provinz Hessen-Nassau. Schlüchtern bekam ein preußisches Landratsamt.

Das Zeitalter der Technik ließ die Burg Brandenstein nicht unberührt

1868 – 1872 baute man die Eisenbahnstrecke Gemünden (Main) – Elm, durch den Burgberg wurde ein Tunnel gebohrt. Durch den Bahnbau wurde das Ackergebiet der Domäne Brandenstein zerstückelt. und der Staat stieß den unwirtschaftlich gewordenen Besitz ab. Die Felder wurden an Juden aus Schlüchtern verkauft, die sie an Elmer Bauern weitergaben. Da die zum Verkauf stehende Burg unbewohnt blieb, weil sich kein Interessent einfinden wollte, begannen schon die Elmer Bauern damit, die Steine der verfallenen Burgscheune zum Häuserbau in ihr Dorf zu transportieren.

1878 kaufte Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode das Anwesen für 3000 Taler.

1887 gab er die Burg an seinen Freund Reinhard Scheffer weiter, einem preu8ischen Offizier, der 1906 geadelt wurde und sich Freiherr von Scheffer-Boyzdel nannte. Er machte die Burg zu einem Herrensitz, ließ verschiedene Umbauten ausführen und hinterließ verschiedene Pläne, die Burg im neugotischen Stil im Geschmack der >Gründerjahre< zu verändern. Er bewohnte die Burg nur wenige Jahre und zog nach Berlin, zuvor hatte er den bisher kahlen Burgberg aufforsten lassen.

Eine Familie von Brandenstein wird Besitzer der Brandenstein

1888 führte die Dienstreise eines württembergischen Offiziers, Gustav von Brandenstein, durch den Brandensteintunnel. Er zeigte natürlich Interesse an der gleichnamigen Burg und berichtete darüber seiner Familie. Das Schloß stand zum Verkauf und am 1. Juli 1895 wurde die Familie von Brandenstein für die Summe von 1600 Talern neuer Besitzer des knapp 8 ha großen Anwesens.

Zuvor hatte er mit Frau und Kindern die Burg besichtigt, die damals nicht gerade einladend wirkte. Der letzte Besitzer hatte die Kamine entfernen lassen und Fenster, Türen und Böden waren entweder verwahrlost oder gar nicht mehr vorhanden. Elektrisches Licht gab es noch nicht, als Transportmittel nach Elm oder nach Schlüchtern standen nur Pferdewagen zur Verfügung.

Der neue Besitzer hatte jedoch als General seinen Abschied genommen und sich vorgenommen, die Burg mit dem Namen seiner Familie als deren Sitz auszubauen.

Als erstes wurden der innere und äußere Hof mit Kastanien, Eichen und Blutbuchen und der Südhang mit Obstbäumen bepflanzt. Es folgten viele Neuerungen und zum 70. Geburtstag des Burgherrn wurde neben den Hanauer Wappensteinen auch das der Familie Brandenstein angebracht. Ein schwarzer Wolf mit einer Gans im Maul auf gelbem Feld, schwarz-gelb wurden auch später die Fensterläden und Türen gestrichen. 1906 übernahm Alexander von Brandenstein den Besitz, nachdem seine Eltern kurz hintereinander gestorben waren. Der 25jährige gab sein Studium auf und schlug die Offizierslaufbahn ein, um den Besitz erhalten zu können. Er wurde Angehöriger des Ulmer Ulanenregimentes und lernte dort die Familie des Grafen Zeppelin kennen. 1909 heiratete er die einzige Tochter des Grafen, Hella Gräfin Zeppelin. Bei der Hochzeitsfeier wurde dem jungen Ehemann vom König von Württemberg der Grafentitel nebst dem Zusatz Zeppelin verliehen, da der Erfinder des Luftschiffes keine männlichen Erben hatte. 1912 überfuhr das Luftschiff >Schwaben< Burg Brandenstein und Schlüchtern –.

Während der wenigen dienstfreien Wochen widmete sich der Besitzer ausschließlich der Burg und der Erweiterung des Besitzes. Bis 1914 konnte dieser auf 72 ha erweitert werden. Die Grenze verlief an dem alten Grenzstein >Dreimärker<, deshalb so genannt, weil die Wappen der alten Gebietsherren auf ihm verewigt worden sind. Er markiert die Bereiche des ehemaligen Amtes Brandenstein und das der Grafen von Hanau und des Fürstabtes von Fulda zu den Nachbarn von Degenfeld Vollmerz-Ramholz, den Nachfolgern derer von Hutten.

Während des 1. Weltkrieges diente Graf Alexander von Brandenstein im Feld und die Familie zog nach Stuttgart zu den Großeltern Zeppelin. In die leerstehende Burg zogen die aus dem Baltikum vertriebenen Geschwister von Wulf.

Trotz der Schwierigkeiten der Inflationsjahre nach dem Krieg konnte die Burg erhalten werden, besonders durch den Verkauf von Holz aus dem reichen Waldbesitz. Auch die Obstbäume des Südhanges bildeten bis nach dem 2. Weltkrieg einen wichtigen Grundstock für die Ernährung der Burgbesitzer.

Die Bevölkerung suchte 1945 letztmals auf Brandenstein Unterschlupf

Kriegsende bis heute

1945 rollten amerikanische Panzer an der Burg vorbei, wahrscheinlich hielten sie das Bauwerk für eine Festung und schossen ein Loch in den Turm. Der den Vormarsch der Eroberer beobachtende Burgbesitzer wurde von herabfallenden Steinen verletzt. An die 50 Personen hatten in den Kellern Schutz gesucht, weitere saßen in den Tunnels des Brandensteins und Ebersberges. 20 Flüchtlinge wurden auf der Burg aufgenommen und für die Ernährung der angewachsenen Burgbewohner die Landwirtschaft erweitert.

1949 starb der Burgherr und wurde im Familiengrab an der Kirche in Elm beigesetzt. Dann lebte die Witwe Gräfin von Brandenstein-Zeppelin mit zwei Töchtern und drei Enkelkindern auf der Burg, der Sohn verwaltete den Familienbesitz in Württemberg. In den 50er Jahren wurde der Viehbestand vergrößert. Isa von Brandenstein ließ den Obstbaumbestand auf 2000 Stück erweitern. Das >Brandensteiner Südhangobst< erhielt bei Ausstellungen mehrmals Preise, wie zuvor schon Vater und Großvater mehrmals ausgezeichnet worden waren. Der EWG-Markt mit seiner Obstschwemme ließ auch diesen Erwerbszweig eingehen. Die Landwirtschaft scheiterte ebenfalls an den Kostenschwierigkeiten und 1962 wurden alle Tiere abgeschafft und alle Felder in Grünland umgewandelt. Heute weiden dort Elmer Schafe. Am 6. Dezember 1967 starb Hella Gräfin von Brandenstein-Zeppelin im Alter von 88 Jahren.

Nun ist die dritte Generation der Familie von Brandenstein Bewahrerin der Burg.

 

Die Burg Brandenstein, ein Ortsteil von Schlüchtern

Im Zuge der Gebietsreform wurde rund ein Dutzend Dörfer in das Stadtgebiet von Schlüchtern eingemeindet, darunter auch Elm mit Brandenstein.

Die Stadt selbst wurde zum Luftkurort ernannt und viele Erholungssuchende beleben den einst zu stillen Bergwinkel, diese anmutige Mittelgebirgslandschaft zwischen Spessart, Rhön und Vogelsberg. Leerstehende Wohnräume der Burg wurden zu Wochenenwohnungen umgebaut und Isa von Brandenstein sorgte für eine weitere Attraktion:

Das Holzgerätemuseum

Die Bewohner der Waldgebiete von Spessart, Rhön und Vogelsberg stellten natürlich in Heimarbeit sämtliche Arbeitsgeräte und auch Spielzeug aus Holz her. Kunststoff und anderes billigeres Material verdrängten auch das Holz fast völlig. Die von Generationen benutzten Geräte, von der Wäscheklammer bis zum Holzpflug, wurden meist zerstört. So entstand die Idee, Geräte aus Holz zu sammeln und späteren Generationen zu erhalten. Geschick und Erfindergeist der armen Leute vergangener Menschenalter versetzen den überreizten Wohlständler des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts in Erstaunen.

Burg Brandenstein ist sozusagen die Krone des Dreiburgenweges, gleich ob man von den zerstörten Schwestern Schwarzenfels und Steckelburg herüberkommt, oder von Brandenstein aus den beiden Ruinen wandernd entgegenträumt.

Vielleicht habe ich etwas zu tief in die Schatztruhe der Geschichte hineingegriffen und ein modern denkender Mensch wird sich fragen, was soll das eigentlich Etwas sagt dieser Spaziergang in die Vergangenheit jedoch allen Kindern unseres 20. Jahrhunderts, wie ärmlich lebten in vergangenen Zeiten sogar die Vertreter bessergestellter Schichten im Vergleich zum >einfachen Mann< von heute! Und die da ständig von einer Erweiterung unseres Wohlstandes predigen, sollten sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob die Grenzen unseres Wohlstandes nicht schon überschritten sind.

Jeder Burgenfreund muß sich für die Zukunft auch im klaren sein, daß der Erhalt einer Burg nicht selbstverständlich ist, besonders wenn dies auch noch durch Privatinitiative geschieht.

Hans Max von Aufsess, selbst Besitzer eines Schlosses, griff dieses Thema in seinem Vorwort zu dem Werk >Schlösser und Burgen in Oberfranken< auf:

»Wer nämlich das liebenswürdige Märchen aus nobler Vergangenheit durchschaut, wer weiß, daß dort der Ertrag einer ganzen Ernte für das Abstützen einer Umfassungsmauer dahingegangen ist und daß da das Umdecken des Torturmes die Kosten einer Weltreise und den Erlös aus dem Verkauf des besten Ackers verschlungen hat, wer erfährt, daß man in den Steinkühltruhen im Winter erbärmlich friert und mangels Hilfskräften in den weitläufigen Schlössern auf moderne Bequemlichkeiten verzichten muß, der wird die närrischen Uhus belächeln, die trotz des unaufhaltsamen Verfalls in den Dunkelkästen weiter nisten. Wo in unserem Wohlstandsstaat gibt es noch so viel unlukratives Denken, wo so viel Mut, das Vergangene aufrecht zu erhalten und das Rad der Zeit zurückzudrehen?!

Selbst der Neider aller Größe und der Feind des Konservativen wird beim Anblick dieser noch immer imponierenden Monumente aus feudaler Vergangenheit versöhnlich zugeben müssen, daß die für heutige Wohnzwecke um mehrere Nummern zu großen und wahrhaftig nicht »pflegeleichten« Kolosse niemand mehr bedrücken außer ihre Besitzer, zu denen heute bereits vielfach der Staat gehört. Aber auch der Staat und seine Denkmalschutzämter sind bei der Vielzahl der Schlösser in Franken (und anderen Ländern) nicht in der Lage, mit Geldmitteln ausreichend unter die Arme (und brüchigen Flügel) zu greifen


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