Nicht jeder Apfel, der vom Baum fällt, oder gepflückt wird, ist als Rohstoff zur Apfelweinherstellung gleichermaßen
gut geeignet. Denn aus einem süßlichen, saftlosen Morgenduft etwa lässt sich beim besten Willen kein anständiger
Apfelwein keltern.
Dazu wird ein rauher Boskop oder der kleine rote Trierer Weinapfel benötigt, der so sauer ist, daß er einem beim
Hineinbeißen die Schuhe auszieht.
Andere wesentliche Kelterobstsorten sind z.B. der Winterrambour, die verschiedenen Renetten, die Wintergoldparmäne
und viele Lokalsorten. Fast alle sind spätreifend. Sie sind säuerlich, würzig und saftig. Edle Obstsorten können
allenfalls im Verschnitt gekeltert werden. Frühobst besitzt nur einen geringen Säure-, Zucker- und Extraktgehalt.
Der daraus hergestellte Apfelwein ist alkoholarm und schmeckt fade und leer. Aber auch hier gibt es Ausnahmen.
Gewisse Tafeläpfel wie Cox und Ontario sind durchaus gut brauchbar, aber viel zu teuer.
Zu den "sauren" Kelterfrüchten zählt der Speierling. Bei einer Zugabe von mindestens einem Prozent Speierlingssaft
reift ein klarer Apfelwein. Im Geschmack zeigt er eine volle und harmonische Frucht bei einem charakteristischen,
trockenen Nachklang. Der seltene Speierlingbaum ist übrigens keine Apfelart, sondern gehört zur Familie der Eberesche.
Die Frucht ist klein und außerordentlich sauer. Anders als normaler Apfelwein eignet sich der Speierlingsapfelwein
daher gut zum Kochen von Schweinefleisch, Rindfleisch und Geflügel.
Eine andere Frucht, die gern verwendet wird ist die Mispel, die den Apfelwein wuchtiger macht. Die herzhafte Frucht
gibt ihm ein feinwürziges Aroma bei einem ausfüllend-kompakten Nachhall.
Die Eberesche gibt dem Apfelwein eine wilde derbe Note. Ein damit gekelterter Apfelwein schmeckt leicht säuerlich mit
einem kräftigen, eigenen Nachklang.
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